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In der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede wird ein Projekt zur „Restorative Justice“ durchgeführt, das 2022 ins Leben gerufen wurde. Ziel des Projektes ist es, Täter und Opfer in Gesprächskreisen zusammenzubringen, um Bedürfnisse zu kommunizieren und die Folgen von Straftaten zu verstehen. Laut Berichten von RND werden Opfer in Gerichtsverfahren oft als Beweismittel betrachtet, sodass ihre psychischen Verletzungen häufig nicht ausreichend gewürdigt werden. Im Rahmen der Täter-Opfer-Kreise treffen Geschädigte nicht direkt auf ihre Täter, sondern auf Stellvertreter, um einen emotionalen Abstand zu wahren.
Vor den Gesprächen werden die Teilnehmer auf ihre Motivation und psychische Stabilität überprüft. Betroffene haben die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ihre Erfahrungen zu teilen, während die Täter die Konsequenzen ihrer Taten reflektieren. Das Projekt bietet einen Raum für ungestörte Gespräche, in dem beide Seiten ihre Perspektiven darlegen können. Die Teilnahme von Gefangenen ist dabei freiwillig und erfolgt ohne Aussicht auf Hafterleichterungen; Sexualstraftäter sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Rückmeldungen von Betroffenen belegen, dass diese ein besseres Verständnis für die Hintergründe von Straftaten entwickeln konnten.
Überblick über den Täter-Opfer-Kreis
In einem Bericht von Daniela Hirt wird das Projekt „Täter-Opfer-Kreis“ (TOK) beschrieben, das von Mai 2021 bis Dezember 2022 durchgeführt wurde. Neun Teilnehmende, bestehend aus fünf Opfern und vier Inhaftierten, nahmen daran teil. Unter der Leitung von Anstaltsleiter Herr Nelle-Cornelsen und Herr Wulfert wurden die Projektmitarbeiterin und ihr Team mit der Planung und Durchführung des Projekts beauftragt.
Das Projekt hatte mehrere Ziele, darunter die Förderung der Einsicht der Inhaftierten in das Unrecht ihrer Taten, die Unterstützung der Opferorientierung im Strafvollzug und die Resozialisierung der Inhaftierten. Im Rahmen des Projekts fanden vier Sitzungen zur Vorbereitung der Teilnehmenden statt, bei denen Themen wie Selbstfürsorgeregeln, Gruppenregeln und persönliche Reflexion behandelt wurden. Eine gemeinsame siebenstündige Begegnung der Opfer und Täter war ebenfalls Teil der Initiative.
Ein Nachsorgetreffen mit einem Fragebogen zur Zufriedenheit und Veränderung bestätigte die positive Wirkung des Projekts. Die Rückmeldungen hoben die Bedeutung der Perspektivübernahme und die emotionale Wirkung der Begegnungen hervor. Inhaftierte äußerten sich über die Auswirkungen ihrer Taten auf die Opfer, was den Ansatz von „restorative justice“ seiner Wirksamkeit ermöglichte. Die JVA Bielefeld-Brackwede lobte die Zusammenarbeit und die erfolgreiche Umsetzung des Projekts.