Augsburg

Lachen im Schatten des Leids: Die Kraft der Palliativclowns

In der Welt der Palliativ- und Trauerbegleitung gibt es außergewöhnliche Personen, die mit ihrer Arbeit Trost und Freude bringen. Dazu gehören Karin Rill und Dr. Gabriele Brandstetter, die als Palliativclowns unter den Namen „Lilly“ und „Fantosa“ bekannt sind. Rill wurde kürzlich vom ZDF-Mittagsmagazin als „mima-Heldin“ gewürdigt. Diese Auszeichnung erhielt sie für ihre engagierte ehrenamtliche Arbeit, die sie unter anderem bei einem kranken Kind geleistet hat. Persönliche Verluste, darunter der Tod ihres ersten Enkelkindes und ihres Sohnes durch einen Geisterfahrer, motivieren sie, anderen in schweren Zeiten beizustehen.

Karin Rill begann ihre Clownausbildung an der Augsburger „Antiheldenakademie“ und hatte anfangs kein Interesse an der Arbeit als Palliativclown. Dr. Gabriele Brandstetter, die die Palliativclowns ins Leben rief, entdeckte Rills Potenzial und nahm sie in das Team auf. Die Palliativclowns besuchen kranke Kinder und deren Geschwister zu Hause und bringen Unterstützung sowie Freude. Momentan sind fünf Frauen in dieser ehrenamtlichen Tätigkeit aktiv, wobei viele von ihnen bereits beruflich mit kranken Kindern arbeiten.

Palliativclowns im Einsatz

Rill hat sich eine Hospizausbildung angeeignet und hebt hervor, wie wichtig es ist, mit schwerkranken Kindern offen und einfühlsam umzugehen. Die Clowns sind ein- bis zweimal pro Woche aktiv und besuchen Familien in verschiedenen Regionen. Bisher hat Rill etwa 30 Einsätze als Palliativclown hinter sich. Sie passt ihre Besuche individuell an die jeweilige Familiensituation an und ist nicht nur auf öffentliche Veranstaltungen beschränkt. Ein besonders einprägsamer Einsatz war bei einem Kind namens Helena, wo es Rill gelang, durch ein Spiel Lachen zu erzeugen.

Ein weiteres Beispiel in dieser besonderen Form der Trauerbegleitung ist Kathrin Thiemann, die als „Prinzessin Fadenschein“ auftritt. Thiemann, 64 Jahre alt, arbeitet als Physiotherapeutin und hat sich zur Trauerclownin “Rita Remember” weitergebildet. Sie ist auf der Palliativstation des Marburger Universitätsklinikums aktiv und besucht auch Onkologie-Stationen sowie verschiedene Veranstaltungen und Workshops. In Deutschland gibt es nur wenige Trauerclowns, während dieser Ansatz in den Benelux-Staaten verbreiteter ist.

Seit 2010 ist Thiemann als Clownin tätig und sieht ihre duale Rolle als eine Möglichkeit, Trauer und Humor zu vereinen. Die Figur „Rita Remember“ agiert pantomimisch und nutzt Hintergrundmusik, um die Trauernden nicht zu überfordern. Ihre Auftritte finden häufig bei Jahres-Trauerfeiern des Ambulanten Hospizdienstes der Malteser in Marburg statt. Thiemann verkörpert symbolische Elemente, die den Trauernden helfen sollen, den Abschied zu verarbeiten. Bisher hat sie allerdings noch nicht bei persönlichen Beerdigungen gespielt, da die Hemmschwelle für Trauernde hoch ist.

Thiemann zielt damit darauf ab, eine positive Rückschau auf das Leben des Verstorbenen zu ermöglichen und den Tod aus der Tabu-Ecke zu holen. Ihre Auftritte haben bereits vielen Menschen in schwierigen Zeiten Trost gespendet, und sie bietet auch Letzte-Hilfe-Kurse an, um Menschen im Umgang mit Sterben und Tod zu unterstützen.

Die Arbeit von Karin Rill und Kathrin Thiemann zeigt, wie Humor und Mitgefühl in den herausforderndsten Momenten des Lebens eine Brücke schlagen können, um Trauer und Leid zu lindern und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.