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Im Jahr 2022 wurden in Tempelhof-Schöneberg insgesamt 5,7 Kilometer neue Radwege fertiggestellt, was den Bezirk Berlin weit an die Spitze in Sachen Radinfrastruktur bringt. Diese Entwicklung wurde von Astrid Bialluch-Liu, der verkehrspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion, positiv hervorgehoben. Zu den umgesetzten Großprojekten zählen Radstreifen an der Hauptstraße, der Boelckestraße und dem Mariendorfer Damm, die jeweils zwischen 1,3 und 1,4 Kilometer lang sind. Zudem wurde die Handjerystraße zur Fahrradstraße umgestaltet, was den Radfahrenden Vorrang einräumt.
Derzeit befindet sich der Radweg an der Grunewaldstraße, der knapp 1,6 Kilometer lang sein wird, in der Umsetzung. Weitere neue Radstrecken sind beim Umbau der Bahnhofstraße in Lichtenrade sowie in Planungen für die Ella-Barowsky-Straße am Südkreuz vorgesehen. Darüber hinaus wurden im Zeitraum 2023/24 über 440 Fahrradstellplätze geschaffen, darunter abschließbare Boxen am Park&Ride-Parkplatz an der Reißeckstraße. Bialluch-Liu äußerte jedoch auch Kritik an der Verkehrspolitik des aktuellen Senats und wies darauf hin, dass trotz der Planungen im Radverkehrsplan, der für 2024 100 Kilometer Radwege vorsieht, bislang nur 20 Kilometer realisiert wurden. Zugleich wurden die Landesmittel für Radwege um 2,5 Millionen Euro gekürzt, sodass im kommenden Jahr lediglich 500.000 Euro zur Verfügung stehen.
Proteste und Forderungen nach besserer Radinfrastruktur
Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch der Umbau der Monumentenstraße, der seit mehr als fünf Jahren geplant ist. Trotz eines Beschlusses der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg für diese Umgestaltung soll der Umbau nicht vorankommen. Am 14. Februar protestierten Demonstrierende in der Monumentenstraße für die Fertigstellung und um ihre Anliegen zu Gehör zu bringen. Diese Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen Kreuzberg und Wilmersdorf und Teil des Berliner Vorrang-Radnetzes. Während das Bezirksamt am Umbau festhält und Fördermittel beim Bundesamt für Logistik und Mobilität beantragt hat, wird das Vorgehen der Senatsverkehrsverwaltung als Blockade wahrgenommen, da der Antrag noch nicht weitergeleitet wurde.
Zusätzlich fordert die ADFC Schöneberg zusammen mit anderen ADFC-Ortsverbänden den Umbau der Monumentenstraße zur Fahrradstraße. Eine geplante Fahrraddemo mit Kundgebung am 07. Juli 2024 soll auf diese Thematik aufmerksam machen. Ein Teil der Initiative ist die Kiezblock-Initiative Monumentenzug, die sich für Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in angrenzenden Wohnstraßen einsetzt. Hierzu zählen unter anderem Poller und Einbahnstraßen, um den Durchgangsverkehr zu minimieren und die Lebensqualität in den Wohngebieten zu erhöhen.
Die Stadträtin Dr. Saskia Ellenbeck bestätigte, dass aktuell keine Finanzierungszusage für den Umbau vorliegt, was von den Beteiligten kritisch betrachtet wird. Auch innerhalb des Verkehrsausschusses wird die Einschätzung, dass „Anlieger frei“-Schilder ausreichend seien, um den Durchgangsverkehr zu reduzieren, angezweifelt. Die Verkehrssituation in angrenzenden Straßen ist angespannt, mit durchschnittlich über 1400 Fahrzeugen täglich auf der Bautzener Straße, die als Wohnstraße gilt.
Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und Kindern einen geschützten Raum zu bieten, sind effektive Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und mehr Verkehrssicherheit gefordert. Dazu zählen unter anderem geschützte Kreuzungen, eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in den Straßen.
Die Initiative um die Monumentenstraße steht somit stellvertretend für die anhaltenden Forderungen nach einer umfassenden und effektiven Radverkehrsinfrastruktur sowie für eine verbesserte Lebensqualität in den betroffenen Gebieten, wie Berliner Woche und ADFC Berlin berichteten.