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Im Juni 2024 führte Starkregen zu verheerenden Hochwasserschäden im Landkreis Esslingen. Die Schadenssumme übersteigt zehn Millionen Euro, betroffen sind insbesondere die Gebiete an den Flüssen Neckar, Fils, Körsch sowie kleinere Bäche. Überflutungen betrafen Straßen, Gebäude und landwirtschaftliche Flächen. Die Schifffahrt auf dem Oberlauf des Neckars kam zum Erliegen, während die Rettungs- und Hilfskräfte mehr als 1000 Einsätze verzeichneten. Um die Innenstadt von Esslingen zu schützen, wurde ein provisorischer Damm von 30 Metern errichtet, für dessen Bau rund 1600 Tonnen Sand und Stein benötigt wurden.
Besonders stark betroffen war die Gemeinde Hochdorf, wo die Schäden an Privatgebäuden mit etwa 2,8 Millionen Euro beziffert werden. Weitere 500.000 Euro entfallen auf Schäden an öffentlichen Gebäuden und der Infrastruktur in der gleichen Region. Zwei Personen mussten aus einem vom Wasser eingeschlossenen Gebäude gerettet werden. Anwohner in Hochdorf sind durch wiederholte Hochwasserereignisse in den letzten sechs Jahren besorgt über ihren Versicherungsschutz, nachdem im Schadensfall von 2018 eine Eigenbeteiligung von 110.000 Euro gefordert wurde. Die Gemeindeverwaltung Hochdorf hält die offizielle Einstufung der Hochwasserhäufigkeit für überholt und hat bereits die Planung eines Regenrückhaltebeckens am Tobelbach in Auftrag gegeben, die jedoch von der Genehmigung von Fördermitteln abhängig ist.
Wachsende Besorgnis über Hochwassergefahren
Die Diskussion über zusätzliche Schutzmaßnahmen nimmt zu, da Starkregenereignisse auch in Zukunft als unberechenbar gelten. Der Zweckverband Hochwasserschutz Körsch wurde gegründet, um die kommunale Zusammenarbeit zu verbessern. Der Spatenstich für das sechste Hochwasserrückhaltebecken am Sindelbach fand im September 2023 statt. Das Hochwasserschutzbauwerk in Ostfildern-Scharnhausen hat sich als effektiv erwiesen, während die Dämme am Neckar in Nürtingen nicht ausreichend für Hochwasser sind, das statistisch alle 100 Jahre auftreten kann. Das Land plant Verbesserungen im Hochwasserschutz in Nürtingen, und bereits seit 2009 wurden Fördermittel in Höhe von 13,9 Millionen Euro für Projekte zur Hochwasservorsorge bewilligt.
In einer umfassenden Studie wird bestätigt, dass die Erderwärmung die Hochwassersituation in Europa verschärft hat. Unwetter und Hochwasser führen vermehrt zu schweren Schäden, wobei Menschen nicht nur ihr Zuhause, sondern in tragischen Fällen auch ihr Leben und Haustiere verlieren. Laut der EU-geförderten Forschungsgruppe ClimaMeter konnte festgestellt werden, dass Starkregenereignisse außergewöhnlich häufig auftreten und durch natürliche Klimaveränderungen nicht allein erklärbar sind. Ein Tiefdruckgebiet über dem warmen Mittelmeer hat viel Feuchtigkeit aufgenommen und nach Mittel- und Osteuropa geführt.
In Deutschland ist die Zahl der Todesopfer durch Hochwasser in Mittel- und Osteuropa auf mindestens 19 gestiegen, und Schätzungen warnen, dass rund 400.000 Menschen in Deutschland in den kommenden Jahren von Hochwasser betroffen sein könnten. 77% der befragten Kommunen erleben bereits die Folgen des Klimawandels in Form von Extremwetterereignissen. Trotz der steigenden Bedrohung haben nur 12% der Kommunen ein Klimaanpassungskonzept entwickelt, während 40% von ihnen bereits Maßnahmen zur Hochwasservorsorge umgesetzt haben, wie etwa die Schaffung von Ausgleichsflächen und die Renaturierung von Auen. Experten warnen, dass ohne wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel die finanziellen Schäden stark zunehmen werden, und auch entwickelte Länder wie Deutschland sind nicht vor den Folgen sicher.