
Medizinstudentin Jasmin Troschier aus Rostock absolviert ein vierwöchiges Praktikum im Gesundheitsamt des Landkreises Oder-Spree. Die 26-Jährige, die bereits auf der herzchirurgischen Station des Uniklinikums Rostock tätig ist, entschied sich für das Gesundheitsamt, um einen anderen Blickwinkel abseits des Klinikalltags zu gewinnen. Diese Entscheidung wurde durch eine Vorstellung eines Mitarbeiters während einer Vorlesung an der Universität beeinflusst.
Im Rahmen ihrer Famulatur ist Troschier unter der Leitung von Ricardo Saldaña-Handreck tätig und durchläuft verschiedene Bereiche des Gesundheitsamtes. Ihre Aufgaben umfassen unter anderem die Untersuchung von Schulkindern, die Überprüfung der Hygienekonzepte in Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie die Teilnahme an Schuleingangsuntersuchungen, bei denen die geistige, körperliche und soziale Bereitschaft von Kindern für den Schulunterricht geprüft wird. Troschier erkannte während einer Begehung in einem Pflegeheim die Verantwortung des Gesundheitsamtes für die gesundheitliche Lage der Bevölkerung.
Praktikumsmöglichkeiten im Öffentlichen Gesundheitsdienst
Troschier schätzt den öffentlichkeitsnahen Aspekt ihrer Arbeit und das nötige Bewusstsein für gesundheitliche Vorgänge. Sie erwägt eine Karriere im öffentlichen Gesundheitswesen, obwohl sie noch drei Jahre Studium vor sich hat. Zudem empfiehlt sie anderen Medizinstudenten, ein Praktikum im Gesundheitsamt zu absolvieren, da viele nicht über diese Möglichkeit informiert sind.
Die Option, ein Praktikum im Gesundheitsamt zu machen, wurde vor etwa vier Jahren durch eine Änderung der Approbationsordnung eingeführt, die den öffentlichen Gesundheitsdienst mit der patientennahen Versorgung gleichstellt. Ab Anfang Mai 2022 haben Medizinstudierende die Chance, eine Famulatur oder einen Abschnitt des Praktischen Jahres im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu absolvieren. Diese Regelung ist Teil einer Änderung der Approbationsordnung für Ärzte, die am 1. Oktober 2021 in Kraft trat und im Rahmen des „Paktes für den ÖGD“ beschlossen wurde, der als Reaktion auf die Herausforderungen der Gesundheitsämter während der Pandemie ins Leben gerufen wurde.
Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des ÖGD, hebt die Bedeutung der frühen Bekanntschaft mit den Aufgaben der Gesundheitsämter für eine spätere Karriere im ÖGD hervor. Angesichts des dringenden Bedarfs an Fachpersonal in den Gesundheitsämtern werden Kenntnisse über das öffentliche Gesundheitswesen und die Bevölkerungsmedizin zunehmend in die medizinische Ausbildung integriert und finden auch in Prüfungen Berücksichtigung.