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Am 21. Februar 2023 forderte der Betriebsrat von Brose in einem offenen Brief an Geschäftsführer Raymund Mutz, den Standort Würzburg auszubauen. Diese Forderung kommt vor dem Hintergrund, dass mehr als 1.400 Beschäftigte am Standort in Würzburg Gefahr laufen, ihre Arbeitsplätze zu verlieren, da eine mögliche Schließung des Werks bis spätestens 2027 in Betracht gezogen wird. Mutz räumt in seiner Antwort die bestehenden Herausforderungen ein, insbesondere die derzeit niedrigen Produktionszahlen, die eine wirtschaftliche Tragfähigkeit des Standorts gefährden.
Die rückläufige Auftragslage könnte die wirtschaftliche Situation in den kommenden Jahren weiter verschlechtern. Brose, ein kapitalmarktfrei finanziertes Familienunternehmen, benötigt ein Betriebsergebnis von mindestens 8%, was Werksergebnisse zwischen 23 und 25% erfordert. Mutz erläutert, dass die aktuellen Zahlen und Prognosen aufzeigen, dass der Standort Würzburg unter den gegebenen Umständen nicht wirtschaftlich tragfähig ist, und er gibt Managementfehler zu, die zu dieser Situation geführt haben. Dazu zählen unrealistisch hohe Umsatz- und Personalplanungen sowie falsche Produktentscheidungen.
Alarmstimmung im Werk Würzburg
Die Situation in Würzburg hat auch die IG Metall und den Betriebsrat alarmiert, da sich die Schließungsgefahr konkretisiert. Zusammen befürchten sie, dass über 1.380 Arbeitsplätze gefährdet sind. Im Rahmen einer Ankündigung im Dezember 2024 wurden bereits Sparmaßnahmen in Betracht gezogen, die aufgrund steigender Kosten und ungenutzter Produktionskapazitäten notwendig wurden. Dies beinhaltet die geplante Streichung von 700 Stellen in ganz Deutschland, wovon 120 Stellen in Würzburg betroffen sind.
Die Betriebsrat und die IG Metall erfuhren am 11. Februar 2025 von den Überlegungen zur Schließung. Norbert Zirnsak von IG Metall betont die kritische Bedeutung der Arbeitsplätze für die Region. Betriebsratsvorsitzender Yves Weinberger fordert ein klares Signal für die Zukunft des Standorts, da der Tarifvertrag betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 ausschließt, was mögliche rechtliche Konsequenzen bei Verletzungen nach sich ziehen könnte.
Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, ist für den 15. Februar 2025 eine Demonstration unter dem Motto „Würzburg wehrt sich! Brose-Aus? Wir lassen das nicht zu!“ geplant. Diese beginnt am Hauptbahnhof und zieht durch die Innenstadt. Zudem findet eine Betriebsversammlung am 13. Februar 2025 um 9.30 Uhr im Würzburger Werk statt.