
Im Kontext der aktuellen Energiesituation in Europa plant Spanien, seine Atomkraftwerke bis 2035 abzuschalten. Derzeit sind noch drei der insgesamt sieben Reaktoren in Betrieb, die rund 20 % des Stromverbrauchs des Landes abdecken. Das nächste Atomkraftwerk, das vom Netz gehen soll, ist für das Jahr 2027 vorgesehen, während der Schwerpunkt der Energiepolitik zunehmend auf Wind- und Solarenergie liegt. Diese Entwicklungen wurden von Merkur berichtet.
Ignacio Galán, Vorsitzender von Iberdrola, warnte in diesem Zusammenhang vor einem „deutschen Fehler“ und prognostizierte einen Anstieg der Strompreise um 25 % infolge der Abschaltung der Atomkraftwerke. Iberdrola betonte zudem mögliche Netzwerkinstabilitäten und das Risiko von Blackouts, die aus dieser Entscheidung resultieren könnten. Laut einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) hätte der Verbleib der Atomkraftwerke die Strompreise im Jahr 2024 um etwa 2 % gesenkt, während die Preise 2023 sogar um 4 % niedriger gewesen wären, hätte die Atomkraft in Betrieb geblieben.
Ein Blick auf Spaniens Energiewende
Parallel zur Abschaltung der Atomkraftwerke hat Spanien in den letzten Jahren massiven Fortschritt in der Nutzung erneuerbarer Energien gemacht. Die spanische Regierung plant, bis 2030 über 80 % des Strombedarfs aus Solar- und Windenergie zu decken. Seit 2018 hat sich die Solarkapazität des Landes fast verfünffacht auf aktuell 22 GW, während die Windkapazität um 30 % auf 30 GW gestiegen ist. Dies wurde von Dezernat Zukunft hervorgehoben.
Das Land wird voraussichtlich 2023 das erste große europäische Land sein, das über die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen generiert. Zudem hat Spanien seinen Kohlestromanteil in den letzten fünf Jahren drastisch von 14 % auf 1,4 % gesenkt und strebt bis 2025 eine vollständige Kohlefreiheit an. Die Regierung hat administrative Hürden für die Installation von Photovoltaikanlagen abgebaut, was zu einem Anstieg der Installation bei Eigenheimbesitzern und einer Verdopplung der Neubaukazitäten geführt hat.
Zusätzlich wurde betont, dass politische Stabilität in der Energiewende entscheidend ist, unabhängig von den bevorstehenden Wahlen. Die Klimapolitik wird im Wahlkampf nicht von rechten Parteien instrumentalisiert, und die Differenz zwischen den großen politischen Parteien scheint im Wesentlichen im Atomausstieg zu liegen.