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Am 10. Januar 2025 trafen sich etwa 100 Landwirte auf dem Hof Drepper in Sümmern, ein Jahr nach einer bedeutenden Bauern-Demo. Die Einladung zu diesem Treffen kam vom CDU-Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak, der auch bereits bei der Abfahrt der damaligen Demo anwesend war. Ziel der Zusammenkunft war ein Gedankenaustausch zwischen Ziemiak und Landwirten aus seinem Wahlbezirk im Rahmen seines Bundestagswahlkampfes.
NRW-Landwirtschaftsministerin Silvia Gorißen war ebenfalls anwesend und wurde von den Landtagsabgeordneten Matthias Eggers und Thorsten Schick unterstützt. Ulrich Brinckmann, der Kreisvorsitzende des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, betonte, dass jeder Landwirt durchschnittlich 147 Menschen versorge und dass die letzten drei Jahre für die Landwirtschaft negativ waren. In seiner Ansprache machte er deutlich, dass die Landwirtschaft nicht das Problem, sondern die Lösung sei und übte Kritik an dem verlorenen Vertrauen in die Politik in Berlin.
Forderungen der Landwirte
Gorißen räumte ein, dass auch die CDU nicht alles richtig gemacht habe. Sie forderte einen stärkeren Einsatz für die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und verwies auf ungelöste Probleme wie Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, hohe Lohnkosten und die Kosten für Agrardiesel, die seit den Demos vor einem Jahr bestehen. Zudem kritisierte sie die unzureichende Umsetzung des 200-Punkte-Papiers zum Bürokratieabbau durch die Bundesregierung.
Ein weiteres diskutiertes Thema war der Wolf. Gorißen forderte eine Begrenzung der Wolfpopulation und eine Rückstufung von „streng geschützter Art“ zu „geschützter Art“. Außerdem äußerte sie Besorgnis über die drohende Blauzungenkrankheit und rief Tierhalter zur Impfung ihrer Tiere auf. Paul Ziemiak unterstrich die Notwendigkeit von Perspektive und Verlässlichkeit für die Landwirte und richtete Fragen zu Lebensgrundlagen und den Kosten der Landwirtschaft.
Parallel zu diesem Treffen äußerte Dirk Koslowski, Vorstandsmitglied von Land schafft Verbindung (LsV), Bedenken über die Effektivität der Proteste der Landwirte. Wie Land und Forst berichtete, stellte er fest, dass trotz der früheren Unterstützung durch Politiker wenig an den grundlegenden Bedingungen verändert wurde. Koslowski kritisierte die Politiker als unseriöse Teilnehmer der Demos, die lediglich Lippenbekenntnisse abgeben würden.
Er lobte jedoch das Auftreten des Deutschen Bauernverbands, insbesondere von Joachim Rukwied, während einer vergangenen Veranstaltung in Berlin. Koslowski bemerkte, dass Landwirte in anderen europäischen Ländern aktiv gegen Mercosur protestieren, während deutsche Landwirte eher abwarten. Mit einem Zitat eines ehemaligen Politik-Lehrers stellte er fest, dass es egal sei, wen man wählt, da sich die grundlegenden Bedingungen nicht ändern. Er forderte die Landwirte auf, aktiv für ihre Höfe, Existenzen und die Zukunft ihrer Kinder zu kämpfen und betonte, dass sie nichts zu verlieren hätten.
Die Ansichten beider Seiten spiegeln die Herausforderungen der Landwirtschaft wider, die sowohl durch politische Rahmenbedingungen als auch durch gesellschaftliche Erwartungen beeinflusst werden.