
In Krefeld hat heute ein bedeutendes geothermisches Forschungsprojekt begonnen, das der Geologische Dienst als ein Wahrzeichen in der Region bezeichnet. Der neue Bohrturm im Stadtteil Kempener Feld, der 17 Meter hoch ist und 28 Tonnen wiegt, wird in den kommenden Wochen zentrales Element der Bohrarbeiten sein. Diese finden sowohl tagsüber als auch nachts statt, während große, zusammensetzbare Bohrer mithilfe eines Krans zur Turmkonstruktion gehoben werden. Um die Nachbarschaft vor Lärmbelästigung zu schützen, wurden Lärmschutzwände installiert.
Das Ziel der Bohrungen ist es, bis zum Kohlenkalk zu gelangen, einer Gesteinsschicht, die vor etwa 363 bis 340 Millionen Jahren entstanden ist. Zu dieser Zeit war Krefeld Teil eines flachen, warmen Schelfmeeres. Kalkstein hat die Fähigkeit, Spalten und Hohlräume auszubilden, weshalb er für tiefe Geothermieprojekte von Interesse ist. Diese Forschungsbohrungen sind die tiefsten, die der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen bisher durchgeführt hat, und sie sollen eine Tiefe von bis zu 1.000 Metern erreichen. Die gesuchte Gesteinsschicht wird in Krefeld voraussichtlich in einer Tiefe von 400 bis 700 Metern liegen, und die Arbeiten sollen bis zu acht Wochen dauern.
Details zum Forschungsprojekt
Das Projekt in Krefeld ist Teil des Landesprogramms „Masterplan Geothermie NRW“. Ziel dieses Programms ist es, bis zum Jahr 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken. Die vollständige Erbohrung des Kohlenkalks wird angestrebt, wobei der Kalkstein eine Mächtigkeit von über 300 Metern aufweisen könnte. Diese Informationen werden nicht nur für Krefeld von Bedeutung sein, sondern auch für angrenzende Regionen, da die geologischen Erkenntnisse repräsentativ für den Untergrundaufbau der Umgebung sind.
Die Bohrstelle liegt strategisch zwischen zwei bestehenden Bohrungen in Krefeld. Während die Bohrung GLA 1/2 aus dem Jahr 1987 Kohlenkalk in etwa 280 Metern Tiefe erreichte, fand die „Krefelder Sprudel“-Bohrung aus dem Jahr 1891 in einer Entfernung von 2,6 Kilometern diesen Horizont nicht, konnte jedoch Mineralwasser bis in die 1950er Jahre fördern. Die seismischen Messungen, die im Herbst 2022 durchgeführt wurden, zeigen, dass der Kohlenkalk nach Nordosten in die Tiefe abtaucht.
Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird das Bohrloch wieder verfüllt. Die initialen Bohrungen dienen lediglich der Forschung, eine tatsächliche Erdwärmegewinnung könnte jedoch in der Zukunft der nächste Schritt sein, wie in Berichten von WDR und Geothermie NRW dargelegt.