Deutschland

Rinderkrise im Allgäu: Schlachthöfe schließen – was kommt jetzt?

Die Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh im Allgäu (EG Allgäu) hat in Ruderatshofen zu einem wichtigen Treffen eingeladen, um auf die aktuellen Herausforderungen im Rindfleischmarkt aufmerksam zu machen. Geschäftsführer Berthold Kirchmaier prognostiziert einen signifikanten Rückgang an Rindern in den kommenden Monaten, was gravierende Auswirkungen auf die Preisentwicklung und die Infrastruktur des Allgäuer Fleischmarktes haben könnte. Der stetige Rückgang der Bauernhöfe und der sinkende Tierbestand sind alarmierende Entwicklungen, die die Branche unter Druck setzen.

Die EG Allgäu zählt mittlerweile fast 5.000 Mitglieder und konnte einen Gesamtumsatz von über 100 Millionen Euro verzeichnen, was einem Anstieg von 10 Prozent im Vergleich zu 2023 entspricht. Diese Organisation nimmt im Rindfleischmarkt, insbesondere im Biobereich, eine zentrale Rolle ein. Kirchmaier fordert dringend Investitionen in tierfreundliche Mastställe zur Minimierung von Kälbertransporten und zur Stärkung regionaler Schlachthöfe. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der niederländische Schlachtbetrieb Vion sich vom deutschen Markt zurückziehen möchte; so steht der größte Schlachthof in Buchloe zum Verkauf.

Verkauf und Marktentwicklung

Es haben bereits Interessenten aus ganz Europa, darunter das deutsche Unternehmen Tönnies, ihr Interesse am Erwerb des Schlachthofs bekundet. Eine endgültige Entscheidung über den Verkaufsprozess soll voraussichtlich im April, nach einerBeurteilung durch das Kartellamt, getroffen werden. Der gesunkene Bestand an Kühen, auch durch die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit, deren Verbreitung seit Sommer 2024 in Europa zu beobachten ist, führt zu einer steigenden Nachfrage nach Gulasch und Hackfleisch. Trotz dieser besorgniserregenden Situation blieben die Allgäuer Höfe weitgehend von der Blauzungenkrankheit verschont.

In einem weiteren Kontext ist festzustellen, dass der Schlachthof in Bamberg Ende Juni geschlossen werden soll, da dessen wirtschaftliche Lage nicht mehr tragbar ist. Oberbürgermeister Andreas Starke hat bestätigt, dass die Stadt Bamberg alleinige Gesellschafterin des Schlachthofs ist. Die deutsche Fleischindustrie befindet sich derzeit in einem Umbruch, da die Produktionszahlen rückläufig sind. Wurden im Jahr 2016 noch 8,25 Millionen Tonnen Fleisch produziert, so betrug die Zahl 2023 nur noch 6,8 Millionen Tonnen.

Der niederländische Fleischkonzern Vion prüft derzeit die Zukunft seiner Geschäfte in Deutschland und erwägt den Verkauf weiterer Standorte, um sich verstärkt auf die Benelux-Länder zu konzentrieren. Vion besitzt noch elf Standorte in Deutschland mit etwa 3.000 Beschäftigten und hat zuvor bereits Betriebe im Norden und Osten Deutschlands verkauft. Branchenexperte Klaus Martin Fischer sieht die Schließungen als Reaktion auf den Konsumrückgang und die strukturellen Überkapazitäten in der Fleischindustrie.

Die gesunkenen Fleischverbrauchszahlen in Deutschland machen deutlich, dass 2023 der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 51,6 Kilo lag, was einen Rückgang im Vergleich zu den Neunzigerjahren darstellt. Besonders in diesem Zusammenhang ist der Importstopp von deutschem Schweinefleisch durch China nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu erwähnen. Vion und andere Unternehmen der Branche sehen sich mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen sowie gestiegenen Löhnen konfrontiert, was zusätzlichen Druck auf die Wirtschaftlichkeit ausübt. Der Verband der deutschen Fleischwirtschaft (VDF) kritisiert zudem Überregulierung und politische Unsicherheiten, während Fischer weitere Veränderungen und Konsolidierungen innerhalb der Branche erwartet.

Die EG Allgäu verzeichnete zum 50-jährigen Bestehen über 15.000 Euro an Spenden durch eine Versteigerung, die an 16 Hilfsorganisationen in der Region gehen. Der Tierschutzbund hat den Rückgang des Fleischkonsums begrüßt und setzt sich für kurze Transportwege sowie hofnahe Schlachtungen ein.