
Am 31. März 1950 ereignete sich im Gefängnis Bautzen, auch bekannt als das „Gelbe Elend“, der erste und größte Häftlingsaufstand in der DDR. Diese Justizvollzugsanstalt, die seit 1904 betrieben wird, war zuvor auch für politische Gegner während des Nationalsozialismus und als NKWD-Speziallager bekannt. Die Übernahme des Gefängnisses durch die DDR im Februar 1950 führte zu einer dramatischen Verschlechterung der Haftbedingungen. Laut Berichten litten die Insassen unter der Ausbreitung von Tuberkulose, wodurch täglich etwa zehn Häftlinge starben.
Die Zustände im Gefängnis wurden durch Briefe von Häftlingen an die westdeutsche Öffentlichkeit bekannt. Am 13. März 1950 begannen Häftlinge, einen Hungerstreik zu fordern, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die Proteste kulminierten am 31. März 1950 in einer heftigen Auseinandersetzung mit der Volkspolizei, die brutal niedergeschlagen wurde. Der Aufstand hinterließ viele verletzte Häftlinge, die Misshandlungen erlitten.
Erinnerungen eines Zeitzeugen
Jochen Stern, heute 96 Jahre alt, war einer der Insassen während dieses Aufstands. Er wurde 1948 von einem Sowjetischen Militärtribunal zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und lebte die Gräuel des „Gelben Elends“ hautnah mit. Stern, der im Alter von 19 Jahren nach Bautzen gebracht wurde, berichtete, dass die Hoffnung auf Besserung der Haftbedingungen mit der Übernahme der Insassen des sowjetischen Speziallagers zusammenhing. Er erinnerte sich an die verzweifelten Schreie der Gefangenen: „Wir haben Hunger!“, „Wir sind unschuldig!“, „Lasst uns nicht verrecken!“, die am 13. März 1950 laut wurden.
Der Aufstand führte zwar zunächst zu einem brutalen Eingreifen, jedoch auch zu einigen Verbesserungen, wie dem Erhalt von Briefen und Lebensmittelpaketen für Häftlinge. Viele Insassen überlebten die Haft nicht, und diejenigen, die es taten, litten oft noch viele Jahre unter den Folgen. Das Bautzen-Komitee wurde 1990 gegründet, um eine Gedenkstätte einzurichten, die an die Toten des „Gelben Elends“ erinnert.
Stern sitzt in einer langen Reihe von Zeitzeugen des Aufstands, die die Erinnerungen an diese düstere Episode der DDR-Geschichte lebendig halten wollen. Er selbst wurde 1954 aus der Haft entlassen und ist einer der letzten, die noch von den unmenschlichen Bedingungen berichten können, die in der Gefängnisanstalt herrschten.