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Seit Oktober 2023 sind 34 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland für ein halbes Jahr auf der „Thor Heyerdahl“ unterwegs. Das Projekt, das den Titel „Klassenzimmer unter Segeln“ (KUS) trägt, wurde von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg organisiert. Die Gruppe, die aus 15 Schülern der 10. Klassen deutscher Gymnasien besteht, begann ihre Reise nach ausführlichen Online-Auswahlgesprächen und einem persönlichen Treffen im Oktober 2021.
Am Start ihrer Reise wurde das Schiff nach einer einwöchigen Werftzeit vorbereitet und die Abfahrt fand unter der Aufsicht von Familien und Freunden statt. Die Reise begann mit Sturmwarnungen, was dazu führte, dass das Schiff drei Tage im Hafen von Borkum verweilte. Anschließend setzte die „Thor Heyerdahl“ ihre Route durch den Englischen Kanal fort und steuerte in Richtung Kanarische Inseln. Die stürmischen Bedingungen in der Biskaya führten dazu, dass nahezu alle Schülerinnen und Schüler unter Seekrankheit litten.
Lernen auf hoher See
Der Schulunterricht spielt eine zentrale Rolle im Alltag an Bord. Dieser findet jeden zweiten Tag statt und umfasst Fächer wie Deutsch, Chemie und Geografie, sowie praktische nautische Kenntnisse. Unterrichtseinheiten sind oft situationsbezogen gestaltet, zum Beispiel die Untersuchung fliegender Fische im Biologieunterricht oder ein Test in Erdkunde über Vulkanismus, der in der Caldera eines Vulkans geschrieben wurde. Auch Spanisch- und Portugiesischunterricht wird angeboten, um die Schüler auf die bevorstehenden Länder vorzubereiten.
Ein Schüler, Anton, der 15 Jahre alt ist, hat seine Familie zuletzt im Oktober in Dänischenhagen bei Kiel gesehen und verbringt nach eigenen Angaben Weihnachten zum ersten Mal ohne seine Familie. Weihnachten wurde im Karibischen Meer nördlich von Curaçao gefeiert, wo die Temperaturen 31,5 Grad Luft und 29,5 Grad Wasser betrugen. Nach der geplanten Atlantiküberquerung werden die Schüler drei Wochen in Panama verbringen, mit Aktivitäten wie einem Camp im Regenwald und Spanischunterricht. Während ihres Aufenthalts wohnen sie in Gastfamilien.
Die finanziellen Aspekte sind ebenfalls berücksichtigt. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf etwa 3.770 Euro pro Monat, was insgesamt fast 25.000 Euro entspricht. Um dieses Vorhaben zu realisieren, erhalten die Teilnehmer Unterstützung in Form von zinslosen Darlehen oder Stipendien durch einen spendenfinanzierten Förderverein. Die Teilnahmevoraussetzungen beinhalten ein gutes Zeugnis, Offenheit für andere Kulturen sowie soziales Engagement. Die Rückreise nach Kiel ist im kommenden April geplant und erfolgt über Kuba und die Azoren.
Die stellvertretende pädagogische Leiterin Corinna Göpfert hebt die kulturelle Reflexion der Schüler hervor, während Anton von einer persönlichen Veränderung berichtet: Er ist gelassener geworden und hat wichtige Fähigkeiten wie Platzmanagement, Selbstpflege und Schlafmanagement erlernt.
Für weiterführende Informationen über das Projekt und das Leben an Bord können Interessierte die Berichterstattung von NDR und Schule in Bayern einsehen.