
Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gewann die AfD im Altenburger Land 43,4 Prozent der Stimmen. In der benachbarten Gemeinde Nobitz stimmten sogar 51,3 Prozent für die Partei. Die Bürger in Altenburg äußern ein Gefühl der Abgehängtheit und nicht gehört zu werden. Viele leiden unter wirtschaftlichen Problemen, steigenden Preisen und einem Mangel an Investitionen.
Einige Bürger ziehen Parallelen zur Deutschen Teilung und befürchten, immer in der „Unterschicht“ zu bleiben. CDU-Landrat Uwe Melzer sieht zwar positive Entwicklungen in der Region, diese Einschätzung wird von vielen Bürgern jedoch nicht geteilt. Der Bürgermeister von Nobitz, Hendrik Läbe (SPD), beobachtet eine anwachsende Opferrolle und eine zunehmende Offenheit für rechte Positionen unter den Einwohnern.
Wahrnehmung der politischen Landschaft
Altenburgs CDU-Bürgermeister Andre Neumann lehnte ein Interview mit t-online ab. Die Bürger empfinden die mediale Berichterstattung über die AfD als voreingenommen und reden von „Ost-Bashing“. Darüber hinaus sind viele der Meinung, dass die AfD systematisch benachteiligt wird; sie kritisieren insbesondere die Union für deren Weigerung, mit der AfD zusammenzuarbeiten. Das Urteil des Thüringer Verfassungsschutzes, das die AfD als in Teilen rechtsextrem einstuft, sorgt für zusätzlichen Unmut.
Romy Strobel, eine Bäckerin und Stadtratsmitglied der Bürgerbewegung „Pro Altenburg“, fordert pragmatische Lösungen und weniger Parteipolitik. Sie stimmte den Freien Wählern zu, obwohl sie als Unternehmerin CDU-nah ist. Die politische Spaltung in Altenburg zeigt deutlich, dass sich viele Menschen von den Parteien der demokratischen Mitte entfremdet fühlen, während die Kluft zwischen Politik und Bevölkerung sowie zwischen Ost und West weiter wächst, was der AfD zugutekommt.
Ursachen der Unzufriedenheit
Die Unzufriedenheit in ländlichen Gebieten nimmt im Allgemeinen zu und hat erhebliche Auswirkungen auf die Wahlergebnisse. Professor Andreas Klärner vom Thünen-Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen stellt fest, dass die AfD insbesondere in ländlichen Ostdeutschland von der Unzufriedenheit profitiert. In diesen Regionen erreichte die AfD 37 bis 38 Prozent der Stimmen, während sie in Westdeutschland etwa 20 Prozent erzielte. Die Union ist in ländlichen Gebieten mit rund 30 Prozent der Zweitstimmen vertreten, wobei der Vorsprung gegenüber der AfD schwindet.
Die Ursachen für die Unzufriedenheit sind vielfältig: Schließungen von Läden und Schulen, fehlende Verwaltung und Leerstände fördern das Gefühl des Abgehängtseins. Diese jahrelangen Investitionsmängel in die Infrastruktur tragen zu einer schlechten Stimmung bei der Bevölkerung bei. In Ostdeutschland zeigen sich zudem die stärkeren Zustimmungswerte der Linken und der BSW, während die etablierten Parteien insgesamt schwächer abschneiden. Der BSW hätte in Ostdeutschland die 5-Prozent-Hürde überschritten und wäre im Bundestag vertreten, was die Dringlichkeit von Veränderungen in der politischen Landschaft unterstreicht.