
Ein bewegendes Heimspiel für Orwa Eyade! Nach 13 langen Jahren wagte sich der gebürtige Syrer auf eine emotionale Reise zurück in seine Heimat, die er einst wegen des schwelenden Krieges hinter sich ließ. Zusammen mit seiner Frau floh Eyade vor über einem Jahrzehnt aus Syrien. Jetzt, nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024, war die Zeit reif für ein Wiedersehen mit dem langersehnten Heimatboden. Die Vorfreude und Nervosität vor seinem Solo-Trip im Februar waren greifbar. NDR berichtet, wie Eyade beim Anblick seiner Heimatstadt Damaskus auf die Knie fiel und den Boden küsste.
Es war ein Akt der Dankbarkeit und Zugehörigkeit, der seine tiefe Verbundenheit zu seinem Land widerspiegelte. Eyade, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, lebt seit zehn Jahren mit seiner Familie in Braunschweig. Das Wiedersehen mit seinen Eltern am Flughafen Damaskus war ein Moment der Sprachlosigkeit und Emotionen, besonders als er seinen Vater etwas gebrechlich in den Armen hielt. Seine alte Wohnstätte existiert nicht mehr, zerstört durch den Krieg, doch der Besuch im neuen Heim seiner Eltern brachte vertraute Gefühle zurück.
Hoffnung und Heimat
Der Zustand des Landes nach dem Umbruch überraschte Eyade: Während Damaskus äußerlich intakt schien, herrschte im Inneren ein chaotischer Zustand mangels Polizei und Infrastruktur. Der Geruch von Dieselgeneratoren statt Strom aus der Steckdose verkörperte die Herausforderungen, vor denen das Land steht. Ein Lächeln zauberte ihm der Besuch seines Lieblingscafés im alten Damaskus auf die Lippen, der Erinnerungen an seine junge Liebe und seine Wurzeln weckte.
Eine amüsante Episode während des Flugs nach Damaskus unterstreicht die aktuelle Situation in Syrien: Als ein medizinischer Notfall auftrat, hoben satte 23 Ärzte die Hände. Eine eindrückliche Zahl, wenn man bedenkt, wie viele syrische Experten inzwischen in Deutschland leben und dennoch mit einem Fuß in ihrer Heimat stehen. Eyade selbst, als Dozent an der Uni Hildesheim tätig, sieht trotz der fortdauernden Debatten über die Rückkehr syrischer Fachkräfte Deutschland als seine zweite Heimat. Das Leben hier hat seine Mentalität und Identität dauerhaft verändert.
Zwei Heimaten, eine Seele
Nichts desto trotz denkt Eyade nicht daran, dauerhaft nach Syrien zurückzukehren. Seine Kinder, geboren in Deutschland, kennen das Land nur aus Erzählungen. Der Wunsch nach Stabilität steht für seine Familie an erster Stelle. Dennoch bleibt Syrien ein wichtiger Teil seiner Identität, eine Quelle der Erinnerungen und Geschichten. Träume von einem zukünftigen Wiederaufbau Syriens, zu dem er gern seinen Beitrag leisten würde, hat dieser Syrer-Deutsch längst nicht begraben, denn Heimat ist Heimat. Er fühlt sich mittlerweile in zwei Ländern verwurzelt, genießt doppelte Freundschaften und kollegiale Bindungen.
Zum Abschluss seiner Reise bemerkte Eyade, wie sehr er Deutschland in diesen zwei Wochen vermisst hat. Das seien seine Worte: „Ich habe zwei Länder, zweimal Freundschaften, zweimal Nachbarn und Kollegen.“ Diese Aussage spiegelt wider, was vielen Heimatvertriebenen dieser Welt gemeinsam ist – die unendliche Sehnsucht nach der dualen Identität. Der NDR hebt hervor, dass die Rückkehr nach Syrien für Eyade nicht nur eine persönliche Reise, sondern eine Reise zu seinen kulturellen Wurzeln war.