Satire

Maison du Monde: Wo sich das Ikea-Regal ‚Billy‘ in Louis XVI-Stil kleidet

Ungeachtet des unsichtbaren Gravitationszentrums im Zentrum unseres Planeten, meiner charmanten Leserschaft, hat die Erde tatsächlich eine gewaltige Masse von ungefähr 5,972 × 10^24 Kilogramm. Doch ich teile Ihnen heute mit starkem Nachdruck mit, dass eine nicht unwesentliche Menge dieser absolut unbegreiflichen Menge an Kilohummeln hauptsächlich aus „maison du monde“ – Foyer-Bänken, schubladierten Salontischen und floral verzierten Ofenrohrhüten ist.

„maison du monde“ – Eine designierte globale Flutwelle

Öffnen Sie mal eine Zeitung, oder… nein, warten Sie… checken Sie lieber Ihre sozialen Netzwerke, denn in der Zeitung gibt es sowieso nur Schlechtes und viele ungefragte Meinungen. Was wir sehen, ist eine globale Flutwelle von „maison du monde“. Ob Instagram, Pinterest oder TikTok, keine Plattform ist sicher. Die Bilder von perfekt arrangierten Wohnwelten und geschmackvoll gewählten Pastelltönen bedrohen unsere gesellschaftliche Stabilität mehr als die „Fridays for Future“-Demonstrationen mit ihren Forderungen nach verantwortungsvollerem Umgang mit unserer Erde.

Das Wettrüsten schweigsamer Fußbodenlampen

Möchte Paris uns in die Sackgasse führen? Soll Europa ein Spielplatz für modisches Mobiliar und subtil ländliche Elemente werden? Sie denken jetzt wahrscheinlich: „C’est la vie, c’est Paris„. Eine, meinen Worten nach, chronisch ignorierte, global Notizbuch-schwangere Pandemie – das stille Wettrüsten von Fußbodenlampen, Porzellanhunden und raffiniert verzierten Tortenplatten im Namen von Maison du Monde!

Die fetten Jahre sind vorbei

Im Hier und Jetzt hat das Träumen Methode. Maison du Monde bietet uns eine beängstigend perfekte Welt. Eine Welt in der das Sahnehäubchen auf der heißen Schokolade immer perfekt ist und die Bettdecke niemals einen Knick hat. My dear, die fetten Jahre sind vorbei. Damals, als wir mit Ikea Billy-Regalen und Pressspanbeistelltischen unsere eigene Persönlichkeit zum Ausdruck gebracht haben. Jetzt haben wir metropolitan-chic und boho-glam.

Nichts ist echt – außer der Preis

Je nach Ausstattung kostet uns eine 40 m^2 Maison du Monde Eierschale etwa 3 Monatsgehälter. Ja, das ist das Ungefähre, das Sie opfern müssen, um Ihr Heim mit verspielter Nostalgie und einem leichten Hauch von savoir-vivre zu füllen. Aber glauben Sie mir, die realen Kosten dafür sind weitaus höher.

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Maison du Monde – Ein Spiegel unserer Gesellschaft?

Vielleicht ist Maison du Monde die bittere Pille, die wir einnehmen wollen, um uns für einen Moment aus dem Affenzirkus des wirklichen Lebens zu befreien. Vielleicht sind sie ein Spiegel unserer Gesellschaft. Der Spiegel, der, obwohl er uns schmeichelt und Gnade zeigt, uns sagt, dass die Welt außerhalb dieses Spiegels abrupt und ohne Verpflichtung endet. Und dann? Was kommt dann?

Werden wir zurückkehren und unsere Göttin Maison du Monde anbeten? Wird das teure Porzellan und das lässige Leinen unsere zerbrochenen Träume wiederherstellen? Wird die Obsession für ‚Shabby-Chic‘ uns aus der Krise retten, oder wird sie unseren Untergang nur beschleunigen? Ich bitte Sie alle, liebe Leser, angemessen darüber nachzudenken.

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