Satire

Onlyfans entblößt: Die nackte Wahrheit hinter dem Pay-per-nudge Phänomen

NurFans: Wie Gelangweilte ihre hyperventilierenden Ventilatoren abbilden

Irgendwo tief in den Katakomben neuronaler Kurzschlüsse und Internet-Junkies liegt eine Plattform verborgen, die sich mit dem melodramatischen Pseudonym „OnlyFans“ schmückt. Sie ist das digitale Äquivalent eines Selbstbedienungsladens für obszöne Mengen an Nabelschnur-Selfies und Schweißpfützen in HD.

Ich sage ‚OnlyFans‘, aber was ich wirklich meine ist ‚OnlyPeopleDesperateEnoughToPayForExclusiveContentOfYourLifeThatOnlyYourTherapistCouldPossiblyBeInterestedIn‘. Offensichtlich wäre ein solcher Name ein bisschen zu lang für das sinnvolle Laden einer Webseite, geschweige denn das Ausschalten der unmittelbaren Fluchtreaktion, die bei jeder noch so leicht beeindruckbaren Seele hervorgerufen würde.

Was anfangs als harmlose Plattform für kreative Geister und aufstrebende Künstler konzipiert wurde, ist nun zur Bühne für skandalöse Nackt-Ankündigungen und gekünstelte Authentizität mutiert. Hier kann „Mammas Liebling“ mit einem mysteriösen Blinzeln und einem tiefen Ausschnitt mehr Geld einbringen als ein mit vier Jobs kämpfender Medizinstudent. So bitter es klingt, so spiegelt es doch die Groteske der Postmoderne wider.

Die Quittung für das Abonnement ist wie ein Zuckerwürfel, der dir das Sammeln von kariösen Löchern in deiner Dentalstruktur erleichtert, während du verträumt auf einen Bildschirm starrst, der all das zeigt, was „Mammas Liebling“ für dich übrig hat.

Die Erleichterung, schnell und einfach zeigen zu können, wie man genau seinen Kaffee trinkt, während die linke Hand strategisch das Haargummi hält, ist bei Fans solcher Darbietungen unermesslich. „Bildende Kunst“, murmeln einige, während sie sich das letzte Stück Pizza in den Mund schieben und sichtlich ergriffen sind von der Lakonie des Moments, den sie gerade miterleben.

Es ist ein ständiges Jonglieren zwischen „Heiliger Strohsack, der Kaffee muss brühend heiß sein!“ und „Also, ich hätte mir zumindest Socken angezogen …“, das du in den Kommentaren findest. Es scheint, als würde fast ein Minenfeld des sozialen Kommentars damit verknüpften seelischen Leidens erzeugt, in dem die User hin- und hergerissen sind zwischen der Groteske und der Faszination des voyeuristischen Abenteuers.

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Die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit verschwimmen, wenn Herr und Frau Durchschnitt von der Plattform in die Fülle ihrer zweidimensionalen Fantasien eintauchen. Es ist das verheißungsvolle Paradies für alle, die schon immer wissen wollten, wie es ist, im goldenen Käfig eines ‚Influencers‘ zu leben. Bezahlend dafür, für eine Weile ihren Placebo-Lifestyle zu haben.

Somit ist „Onlyfans“ der Inbegriff unserer fragwürdigen 15 Minuten Ruhm, in denen wir ‚uns sehen‘ lassen, gut oder schlecht, authentisch oder inszeniert, Künstler oder Betrüger. Es ist das neueste Meisterwerk des Post-Postmodernismus, die Mona Lisa des digitalen Zeitalters, das Kapitel unserer wirklichkeitsverzerrenden Zeit, in der wir das Bizarre und Skurrile als ‘Jetzt-Zeit-Überlebens-Mechanismus’ betrachten.

Man könnte argumentieren, dass „OnlyFans“ ein Spiegel der gesellschaftlichen Situation ist, in der das Individuum sich selbst im komplexen Labyrinth des Selbstwertgefühls verliert. Wer braucht schon einen gewöhnlichen Job, wenn man auf dem virtuellen Laufsteg der filmischen Selbstdarstellung glänzen und demütigen kann?

Am Ende des Tages scheint „OnlyFans“ ein Paradebeispiel für den Wandel der Zeiten zu sein, dessen Fortschrittlichkeit und ‚Liberalität‘ häufig an der Grenze zur Dysfunktionalität wandert. Nichtsdestotrotz wird es weiterhin seinen Beitrag zur Frage bieten: Wie weit sind wir bereit zu gehen, um gesehen, akzeptiert, geliebt und – natürlich – bezahlt zu werden?

Nur die Zeit, und die immer weiter steigende Menge an OnlyFans-Zugängen, wird es zeigen. Bis dahin lassen Sie uns gemeinsam das glorreiche Zeitalter der Selbstdarstellung feiern, dessen absurdes Theater uns alle zum Lachen bringt, während wir uns gleichzeitig fragen, wie die Hölle wir überhaupt hier gelandet sind. Prost auf das digitale Zeitalter, meine Damen und Herren. Mögen wir unsere Ventilatoren niemals übersättigen.

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