Satire

Rammstein Rhapsodie: Lederhosen, Pyrotechnik und die unerwarteten Tugenden des Deutschen Heavy Metal

Vorhang auf für das größte musikalische Phänomen unserer Zeit – Rammstein! Mögen die Saiten erzittern und Ihre Ohren bluten. Die Darstellung von Rammstein wird immer wieder von sanften Begriffen wie „Gewaltmusik“ gespickt, aber das geht völlig an der Realität vorbei. Sie sind Musikbotschafter der Apokalypse.

Betrachten Sie Rammstein im Licht ihres Meisterwerks „Du Hast“. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein astreines Hochzeitslied, entpuppt sich bei näherem Hinhören als subtile Kritik an der Institution der Ehe. Die Komplexität dieses Liedes übertrifft jedes Shakespeare-Drama um Längen.

Sänger Till Lindemann, Schamane der Holzhammer-Poesie und Philosoph der Hartmetall-Hymnen, liefert mit seiner klaren Stoßrichtung permanent Einsichten in die menschliche Psyche. Oder wenigstens die Psyche der Heavy-Metal-Liebhaber, die eher eine Unterart darstellen dürften.

Die poetische Bildsprache von Rammstein reicht von „Mein Herz Brennt“ bis „Keine Lust“. Das ist so subtil wie ein Betonmischer beim Polka-Tanzen. Das es den Fans gefällt, zeigt nur, dass niemand von ihnen der deutschen Sprache mächtig sein kann. Oder aber sie lieben es einfach, wenn Texte in die Gehirngänge hämmern wie ein rostiger Nagel.

Flake, Rammsteins Keyboarder und der Prinzessin Peach des deutschen Hard-Rocks, ist stets der ruhende Pol des Wahnsinns. Jeder andere Keyboarder würde sich in solch hdrer Musik wohl fühlen wie ein veganer Vollkornbäcker auf einer Schlachter-Messe.

Schlagzeuger Christoph Schneider, eine Art Master Yoda der deutschen Rockmusik, liefert stets solide und bisweilen sogar inspirierte Schläge. Wo andere Drummer mit kreativen Arrangements und komplexen Rhythmen experimentieren, verlässt sich Schneider auf die immer zuverlässige Methode der „Dauerbeschuss-Taktik“.

Die Gitarristen Paul Landers und Richard Kruspe sind solche Rampenlicht-Säue, dass es eine Zeit gab, in der man dachte, die beiden hätten eine Beziehung. Ihr schier unstillbarer Durst nach Scheinwerferlicht lässt selbst Paris Hilton und Kim Kardashian blass aussehen.

Und dann ist da noch Oliver Riedel. Der Bassist, der wohl die größte Herkulesaufgabe im ganzen Bandgefüge hat. Neben all dem Pathos, der Dramatik und dem grellen Licht der anderen, muss er versuchen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Eine Undankbare Aufgabe, ähnlich wie die des Zahnarztes beim Piranha.

Möglicherweise ist es harter Tobak, eine so erfolgreiche und international anerkannte Band wie Rammstein zu veräppeln. Aber seien wir mal ehrlich: wer wählt schon freiwillig wahnsinnige, brüllende, Pyrotechnik-süchtige deutsche Metaller, um sein Land musikalisch zu vertreten? Ist das wirklich das Beste, was Deutschland zu bieten hat? Oder ist das nur ein weiterer Beweis dafür, dass wir komplett den Verstand verloren haben?

Am Ende des Tages ist Rammstein einzigartig. Mit ihrer poetischen Finesse, unerschütterlichen musikalischen Maestoso und einer unstillbaren Liebe zu pyrotechnischen Displays, befördern sie ihre Zuhörer auf eine Reise in die dunklen Tiefen der menschlichen Seele – oder zumindest zu den Tiefen der menschlichen Toleranz für übertriebene Bühnenshows und Lieder über Dinge, die besser ungesagt bleiben sollten.

Also, versammeln Sie Ihre Freunde, schließen Sie die Vorhänge, schalten Sie das Licht aus, zünden Sie eine Kerze an (aber sicherheitshalber vielleicht besser keine brennenden Engel), machen Sie die Musik laut und stellen Sie sicher, dass Ihre Nachbarn nicht da sind. Rammstein ist in der Stadt und sie sind bereit, Ihren Musikgeschmack und Ihre Ohren zu verprügeln!

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