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Carolin Ottos Roman entführt in die dunkle Nachkriegsgeschichte Berchtesgadens

Die Drehbuchautorin Carolin Otto hat mit ihrem Debütroman „Berchtesgaden“ ein Werk veröffentlicht, das historische Ereignisse mit fiktionalen Elementen verknüpft. Bei der Präsentation im AlpenCongress in Berchtesgaden stellte Otto die letzten Kriegstage im Mai 1945 sowie die Nachkriegszeit in der Stadt dar. In ihrem Buch behandelt sie die komplexen Themen von Schuld, Verantwortung und den Grauen der NS-Verbrechen, wie [Chiemgau24](https://www.chiemgau24.de/bayern/landkreis-berchtesgadener-land/carolin-ottos-debuetroman-berchtesgaden-verknuepft-geschichte-mit-fiktion-zeitzeuge-uebt-kritik-93595382.html) berichtet.

Um Authentizität sicherzustellen, betrieb die Autorin umfangreiche Recherchen. Die Eröffnungsveranstaltung wurde von Dr. Mathias Irlinger, dem Bildungsreferenten der Dokumentation Obersalzberg, begleitet, der ein historisches Foto zur Veranschaulichung des Themas nutzte. Die Hauptfiguren Sophie und Magda erkunden ein verlassenes Haus im Führersperrgebiet am Obersalzberg, das einst Hitlers Architekt Albert Speer gehörte.

Einblicke in die Nachkriegszeit

Der Roman thematisiert nicht nur die düstere Vergangenheit, sondern lässt auch die schwierigen Umstände nach dem Krieg erkennen, als die Amerikaner die Verwaltung in Berchtesgaden übernahmen und die öffentlichen Ämter neu besetzt werden mussten. Laut [Lesejury](https://www.lesejury.de/carolin-otto/buecher/berchtesgaden/9783757700584) zeigt Otto die Einzelschicksale von Beteiligten wie Parteimitgliedern, Mitläufern, Regimegegnern, Kriegsheimkehrern und Überlebenden. Diese Personen befinden sich in einer schwierigen Lage und benötigen einen ‚Persilschein‘, um sich von der Vergangenheit zu befreien.

Die Geschichte verknüpft persönliche Schicksale, wie die des jüdischen Flüchtlings Frank, der Befragungen durchführt, und die von Sophie, die in einen afroamerikanischen GI verliebt ist, mit den bedeutenden gesellschaftlichen Umbrüchen der Nachkriegszeit. Otto gewährt den Lesern Einblicke in die Herausforderungen und Chancen, die mit der Ankunft der Amerikaner einhergingen.

Otto beschreibt das Schreiben des Romans als kreative Befreiung im Vergleich zum Drehbuchschreiben. Das Ende des Romans lässt Raum für eine mögliche Fortsetzung und Verfilmung. Historiker Irlinger lobt die Balance zwischen dokumentarischer Genauigkeit und erzählerischem Stil, während ein Zeitzeuge, Berti Kastner, die „Neuerfindung“ der Geschichte kritisiert. Irlinger betont jedoch die thematische Tiefe des Buches.