Dachau

Kämpfer um den Wald: Jagdgesetz in der Kritik – Was steckt dahinter?

In Dachau fand kürzlich eine Pressekonferenz mit mehreren wichtigen Akteuren statt, unter anderem Clemens von Trebra-Lindenau, Waldbesitzer, Roderich Zauscher vom Bund Naturschutz, Josef Sedlmair vom Bauernverband und Georg Rottmeir, Jagdrevierinhaber. Die Teilnehmer brachten ihre gemeinsame Sorge um den Zustand der Wälder zum Ausdruck, obwohl sie in anderen Themen unterschiedliche Positionen vertreten. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern plant eine Novellierung des Jagdgesetzes, die jedoch auf gemischte Reaktionen stößt.

Forst- und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) äußerte Bedenken bezüglich der Auswirkungen der geplanten Regelungen auf den klimagerechten Waldumbau. Insbesondere Zauscher warnte, dass die Deregulierung der Jagd den Grundsatz „Wald vor Wild“ gefährden könnte. Die Jagd ist seit 2023 vom Landwirtschaftsministerium zum Wirtschaftsministerium übertragen worden, was zu einem Konflikt zwischen den Interessen der Waldwirtschaft, die den Anbau junger Bäume fördert, und der Jägerschaft, die das Wild schützen möchte, führt.

Geplante Änderungen und deren Auswirkungen

Ein zentraler Punkt der Debatte sind die geplanten Änderungen, die behördliche Abschussvorgaben abschaffen sollen. Künftig könnten Jäger in Absprache mit den Waldbesitzern autonom entscheiden. Diese Abschussvorgaben basieren derzeit auf Vegetationsgutachten der bayerischen Forstämter, die alle drei Jahre erstellt werden. Im Landkreis Dachau, der wenig Waldfläche und viele Hegegemeinschaften mit einer zu hohen Wilddichte hat, äußerte Trebra-Lindenau Bedenken, dass Jäger tendenziell zu wenig Rehwild schießen.

Zusätzlich wird über eine Verkürzung der Schonzeiten diskutiert, um die Jagd zu erleichtern; das Rehwild bleibt jedoch unangetastet. Trebra-Lindenau machte darauf aufmerksam, dass übermäßiges Wild auch den Tieren selbst schadet und gesunde Rehpopulationen fördert. Parallel dazu befasst sich ein Verbändebündnis aus dem Bayerischen Bauernverband, dem Bayerischen Waldbesitzerverband und den Familienbetrieben Land und Forst Bayern mit dem Entwurf zur Novellierung des bayerischen Jagdgesetzes, der viele begrüßenswerte Maßnahmen enthält.

Das Bündnis schätzt die Aufnahme von Wolf und Goldschakal ins Jagdrecht sowie die Verlagerung der Zuständigkeit für Rissaufnahme und DNA-Schnelluntersuchungen an landwirtschaftliche Selbsthilfeeinrichtungen als positiv ein. Zudem fordert es eine Flexibilisierung der Jagdzeiten für schalenwildtragende Tiere, insbesondere Rehwild, um Waldumbau zu unterstützen. Die Aufhebung der Verbindlichkeit der Abschusspläne in roten Hegegemeinschaften wird abgelehnt, während eine Einführung eines Mindestabschusses sowie ein körperlicher Nachweis für jagdliche Maßnahmen angeregt wird. Das Bündnis appelliert an die Politik, für einen fundierten Dialog zur Novellierung des Jagdgesetzes zu sorgen, der sich an wissenschaftlichen Grundlagen orientiert, und sieht die Notwendigkeit, das Gesetzesvorhaben in ruhigeren Zeiten ohne Wahlkampf anzugehen.