
Schon der bloße Anblick kann einschüchternd wirken: Der imposante Bronze-Adler von Max Esser beschützt am Kinderspielplatz in Berlin-Spandau seine Jungtiere mit weit ausgebreiteten Flügeln. Doch hinter dem kükenumsorgenden Vogel lauert eine dunkle Vergangenheit, die nun Wellen in der Hauptstadt schlagen lässt. Max Esser, ein Nazi-Bildhauer, schuf diese Skulptur 1935 als „Denkmal der nationalen Erhebung“. Doch wie gefährlich ist diese Nazi-Kunst mitten in einer Wohnsiedlung wirklich?
Gudrun O’Daniel-Elmen, Erinnerungsbeauftragte der evangelischen Kirche, ist entsetzt über die martialische Symbolik des Kunstwerks an einem so friedlichen Ort. Sie brachte die Debatte ins Rollen, die jetzt die Gemüter erhitzt. Arndt Meißner von der CDU-Fraktion wendet ein, dass das Abreißen historischer Spuren keine Lösung darstellt: „Im Zweifel soll man das Kunstwerk erklären, doch ein Abbau wäre maßlos übertrieben.“ Auch die FDP teilt diese Ansicht und fordert eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung, wie die BILD berichtete.
Diskussionen im Bezirksparlament
Im Bezirksparlament werden die Stimmen lauter, die nach Lösungen suchen. Die Grünen möchten das Kunstwerk entweder mit einem erläuternden Schild versehen oder es in die Zitadelle Spandau verlegen. Dort könnte es im Kontext mit anderen umstrittenen Kunstwerken historisch eingeordnet und kritisch ausgestellt werden. Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag, der die Fläche mitgehört, kann nicht allein über das Schicksal der Skulptur entscheiden. Auf einer Eigentümerversammlung im November soll darüber beraten werden, wie es weitergeht.
Wer war Max Esser?
Max Esser war ein angesehener Tierbildhauer, dessen Werke bis heute bei renommierten Manufakturen erhältlich sind. 1934 schuf er für den Kriegsverbrecher Hermann Göring ein Wisent-Denkmal. Die Geschichte des Bildhauers, der bis 1945 tätig war, wird nun selbst kritisch hinterfragt, denn seine Werke sind mehr als nur Kunst – sie sind Relikte einer finsteren Zeit.
Die Kontroverse um den Bronze-Adler und sein Verbleib in Berlin-Spandau lenkt den Fokus auf die Aufarbeitung von Nazi-Kunst im öffentlichen Raum. Die Debatte steht stellvertretend für den schwierigen Umgang mit Geschichte und die Frage, wie viel Platz solchen Denkmalen in der heutigen Gesellschaft noch eingeräumt werden sollte, wie auch Bild beschreibt.