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Erinnerung an den ersten Transport nach Dachau: Ein dunkles Kapitel Österreichs

Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV) hat am Dienstag an den ersten Transport österreichischer Häftlinge ins Konzentrationslager Dachau am 1. April 1938 erinnert. An diesem Tag begann die systematische NS-Verfolgung in Österreich nach dem „Anschluss“ an das nationalsozialistische Deutschland.

Der erste Transport bestand aus 151 Personen, die unter dem Titel „Prominententransport“ zusammengefasst wurden. Er begann am Wiener Westbahnhof und führte für viele Häftlinge zu Vernichtungslagern oder in Todeszellen. Der AKV-Präsident Matthias Tschirf betonte, dass viele Mitglieder katholischer Verbände zu den ersten Gefangenen des NS-Regimes gehörten. Die Zusammensetzung des ersten Transports spiegelte den Widerstand gegen das NS-Regime wider: Etwa ein Drittel der Häftlinge war jüdischer Herkunft, ein weiteres Drittel waren Vertreter des Ständestaates, während etwa zehn Prozent Sozialisten und ebenso viele Kommunisten waren.

Erinnerung an die Opfer

Tschirf erklärte, dass diese Menschen Opfer eines brutalen Terrorapparats wurden, weil sie für ein freies, unabhängiges Österreich eintraten. Unter den Inhaftierten waren bedeutende Persönlichkeiten der österreichischen Politik, darunter Leopold Figl, der nach KZ-Haft im April 1945 aus der Todeszelle befreit wurde und am Wiederaufbau der Republik beteiligt war, sowie Alfons Gorbach, der später Bundeskanzler wurde, Fritz Bock, langjähriger Vizekanzler und Handelsminister, und Maximilian Pammer, der spätere Leiter der Staatspolizei.

Am 2. April 1938 traf der erste Transport von NS-Verfolgten aus Wien in Dachau ein, nur drei Wochen nach der Besetzung Österreichs durch deutsche Truppen. Dieser Transport umfasste 150 Gefangene, darunter Funktionäre der „Vaterländischen Front“, verfolgte Sozialdemokraten, Kommunisten und eine größere jüdische Gruppe. Johann Kotanyi, ein jüdischer Gewürzfabrikant, war das erste Mordopfer aus diesem Transport und wurde noch im April 1938 von der Lager-SS in den Suizid getrieben.

Desider Friedmann, Rechtsanwalt und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, wurde nach Dachau verschleppt und später in das KZ Buchenwald und das Ghetto Theresienstadt deportiert; er und seine Frau Ella wurden 1944 in Auschwitz ermordet. Alfons Gorbach, ebenfalls Mitglied des Transports, trat später als Landesführer der Vaterländischen Front in Erscheinung und wurde Bundeskanzler.

Die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung nahm in den darauf folgenden Jahren verstärkt zu, was die Rolle des KZ Dachau als politisches Lager und die Verfolgung von Juden verdeutlicht. Historiker Dirk Riedel betont, dass bereits 1933 viele Juden in Dachau waren, die aufgrund ihrer Herkunft verhaftet wurden. Ein Viertel der etwa 200.000 Gefangenen in Dachau und seinen Außenlagern war jüdischer Herkunft. Nach der Annektierung Österreichs wurden im Sommer 1938 1434 Juden nach Dachau verschleppt.

In den folgenden Jahren kam es zu massiven Inhaftierungen, insbesondere nach den Novemberpogromen 1938, als über 26.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt wurden, davon 10.911 ins KZ Dachau. Bis 1938 wurden jüdische Häftlinge formal nicht aus „rassischen“ Gründen inhaftiert, sondern wegen ihrer politischen Zugehörigkeit, jedoch wurden sie als Juden gekennzeichnet.

Die Erinnerung an diese grausamen Ereignisse wird durch verschiedene Gedenkveranstaltungen aufrechterhalten. So fand am 8. April 2023 ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche an der KZ-Gedenkstätte statt, um an die ersten österreichischen Dachau-Häftlinge zu erinnern. Der Gottesdienst wurde von Bischof Maximilian Aichern und Bischof Michael Bünker geleitet und thematisierte auch aktuelle Menschenrechtsverletzungen. Ökumenische Gruppen aus Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich nahmen an dieser wichtigen Veranstaltung teil, bei der auch ein Gedenkgebet von Nikola David, Kantor der Liberalen jüdischen Gemeinde München, an der Jüdischen Gedenkstätte gesungen wurde.

Der erste Häftlingstransport aus Österreich verdeutlicht die brutalen Verfolgungsmaßnahmen unter dem NS-Regime und die Rolle, die Österreich dabei spielte, wie [katholisch.at](https://www.katholisch.at/aktuelles/152729/katholische-verbaende-gedenken-an-sterreicher-transport-nach-dachau) und [sueddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/gefangenentransport-der-erste-transport-aus-oesterreich-1.3935088) berichteten.