
Der sechjährige Pawlos aus Weilburg, Hessen, wird weiterhin vermisst. Die Suche nach dem Jungen dauert nun bereits seit acht Tagen an, ohne dass es bisher nennenswerte Hinweise auf seinen Verbleib gibt. Pawlos verließ am 25. März 2025 während des Unterrichts seine Schule und wurde zuletzt an einem kleinen Bahnhof nahe der Lahn gesehen. Ein Passant beobachtete ihn dort, und die Spur der Spürhunde endete an diesem Punkt. Ein Dashcam-Video belegt, dass Pawlos von einer viel befahrenen Straße geholt wurde.
Die Polizei hat in den letzten Tagen ihre Suchmaßnahmen ausgeweitet. Zu den unkonventionellen Methoden zählen das Aufhängen von Luftballons und das Abspielen eines Tonbands mit der Stimme von Pawlos‘ Mutter. Zudem wird der Fluss Lahn von Tauchern abgesucht, da Autisten häufig eine besondere Anziehung zu Wasser haben. Die Bürger von Weilburg zeigen sich solidarisch und helfen, indem sie in Kellern und Gartenhäuschen nach dem Jungen suchen. In Anbetracht der Parallelen zu einem ähnlichen Fall in Bremervörde hat die Polizei dort Kontakt aufgenommen.
Vergleich mit dem Fall Arian
Im April 2024 verschwand der sechsjährige Arian aus seinem Zuhause in Bremervörde und wurde erst zwei Monate später tot aufgefunden. Wie [Merkur](https://www.merkur.de/welt/arian-autismus-todesursache-tot-gefunden-suche-wald-polizei-besonderheiten-bremervoerde-news-zr-93158954.html) berichtet, geben die Ermittler keine Informationen zur Todesursache oder zum Todeszeitpunkt von Arian preis. Dr. Mark Benecke, ein Kriminalbiologe, merkte an, dass der Autismus des Jungen möglicherweise eine Rolle in seinem Verschwinden gespielt hat. Er vermutet, dass Arian aufgrund seiner Erfahrungen gelernt hatte, dass Wasser aus der Natur untrinkbar sei, was zu seinem Verdursten geführt haben könnte. Das Fehlen von sozialen Rückmeldungen hätte Arian ebenfalls dazu verleiten können, sich aus Angst vor den Einsatzkräften zu verstecken, was als Grund für die „leise Suche“ bezeichnet wird.
Die Polizei setzte in Arians Fall kreative Suchmethoden ein, ähnlich wie jetzt im Fall von Pawlos. Dazu zählten neben Luftballons auch das Abspielen von Kindermusik und der Einsatz von Skybeamern zur Unterstützung der Suche. Fachleute besprechen, dass Arians Autismus möglicherweise auch einige Überlebensvorteile im Wald mit sich brachte.
Professor Christian Matzdorf warnt gegen vorschnelle Vergleiche zwischen Pawlos und Arian. Er hebt hervor, dass Pawlos nicht „spurlos verschwunden“ ist, da es Hinweise auf einen Kontakt zu einer Person außerhalb seines bekannten Umfelds gibt. Die Polizei hat bereits 13.000 digitale Informationstafeln in Deutschland für die Fahndung nach Pawlos genutzt. Eine Neubewertung der Lage steht für Freitag an. Hessens Innenminister Roman Poseck äußerte die Hoffnung, den vermissten Jungen bald finden zu können.