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In Deutschland rückt ein neues Lebensmittelprodukt in den Fokus: Mehlwurmpulver. Die EU hat jüngst eine Verordnung erlassen, die den Einsatz von bis zu vier Prozent dieser proteinreichen Zutat in bestimmten Lebensmitteln, darunter Brot und Käse, erlaubt. Bereits im Jahr 2021 gestattete die EU die Verwendung von Mehlwürmern in Lebensmitteln, was nun durch die anreicherung mit Vitamin D durch spezielle UV-Behandlungen ergänzt wird. Diese Methode könnte einen wertvollen Beitrag zur Ernährung leisten, indem sie wichtige Nährstoffe bereitstellt, die sonst aus weniger nachhaltigen Quellen stammen.
Bäckereien in Nordsachsen wurden zu dieser neuen Entwicklung befragt. Einige, wie das Café Katharina in Torgau, haben sich entschieden, keine Insektenprodukte zu verwenden. In einem Schild wird dies ausdrücklich kommuniziert. Der Chef der Torgauer Croissanterie, Francke, lehnt die Verwendung von Mehlwurmpulver ebenfalls ab. Auch die Bäckerei Zwanzig aus Delitzsch sieht die Nutzung von Insektenprodukten als nicht infrage kommend. Bäckermeister Matthias Jung aus Oschatz berichtet zwar von Kundenanfragen zu Mehlwurmpulver, lehnt jedoch dessen Verwendung ab. Ähnlich äußert sich die Bäckerei Bolde aus Torgau, die keine Pläne hat, Insektenprodukte in ihr Sortiment aufzunehmen, sowie die Bäckerei und Konditorei Schwarze in Eilenburg. Die Bad Dübener Bäckerei Beckert schließt die Verwendung von Mehlwurmpulver aus und hat keine Anfragen diesbezüglich erhalten. Nils Taube, Bäckermeister im Oschatzer Ortsteil Merkwitz, war von der Existenz des Pulvers uninformiert und sieht keinen Bedarf für dessen Verwendung.
Verwendung von Insektenmehl in Lebensmitteln
Die Verwendung von Insektenmehl, einschließlich Mehlwurmpulver, wird als gute Proteinquelle angesehen. Das Mehl enthält neben Proteinen auch Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Mineralstoffe. Produkte, die Insektenmehl enthalten, sind teurer als herkömmliche Varianten und müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Die EU-Vorgaben verlangen, dass Insektenmehl in der Zutatenliste und als Allergiehinweis aufgeführt wird. Menschen mit Allergien gegen Krebstiere oder Hausstaubmilben können ebenfalls auf Mehlwurmpulver allergisch reagieren. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft die UV-Behandlung zur Erhöhung des Vitamin D-Gehalts als sicher ein. Eine Portion Mehlwurmpulver kann ein Sechstel des Tagesbedarfs an Vitamin D decken, jedoch bleibt die Produktion von Vitamin D durch Sonnenlicht für den menschlichen Körper entscheidend.
Das Unternehmen Nutri’Earth ist das einzige, das bereits eine Zulassung für Produkte mit dem neuen Mehlwurmpulver erhalten hat. Während Produkte mit Insektenmehl derzeit rar und vielmehr ein Nischenprodukt sind, könnte die neue EU-Verordnung bald mehr Spielraum für innovative Lebensmittelangebote schaffen, wie LVZ berichtete. Eine umfassende Betrachtung und mehr Informationen über Mehlwurmpulver und seine potenziellen Anwendungen findet sich auch in einem Artikel von Tagesschau.