
Im Gießkannenmuseum in Gießen wird eine bemerkenswerte Vielfalt an Gießkanne aus unterschiedlichen Ländern und Epochen gezeigt. Zu den Exponaten gehört beispielsweise eine große, gedrungene Gießkanne aus Plastik in verblichenem Rot, die zwei deutsche Reisende für 100.000 Dong (ca. 3,70 Euro) von einem Vietnamesen namens Thanh erwarben, als sie dessen Garten besuchten. Thanh war erstaunt, als ihm ein Übersetzer erklärte, dass die Deutschen seine Alltags-Kanne für ein Museum kaufen wollten.
Das Museum beherbergt mittlerweile eine Sammlung von über 1.700 Gießkanne aus verschiedenen Regionen, darunter Mauritius, Brasilien, Vietnam, Kasachstan, Kurdistan und Indien. Sowohl die Gießener selbst als auch Künstler und Sammler tragen zur stetig wachsenden Sammlung bei. Um in das Museum aufgenommen zu werden, benötigt eine Gießkanne entweder ein originelles Aussehen oder eine interessante Geschichte, idealerweise sogar beides. Ingke Günther, Mitglied des Künstlerkollektivs „gärtnerpflichten“, kennt zahlreiche Geschichten rund um die Kannen.
Einzigartige Exponate und Kooperationen
Das Gießkannenmuseum wurde 2011 eröffnet und wird von der Stadt Gießen finanziert sowie von der Künstlergruppe „gärtnerpflichten“ betrieben. Daraus resultiert eine exklusive Sammlung, die Gießkanne in ihren vielfältigsten Formen präsentiert – von antiken bis hin zu modernen Modellen, unabhängig von ihrem Wert. Woche für Woche kommen weitere Gießkanne hinzu, von denen die meisten gespendet werden, während einige speziell für die Ausstellung erworben werden.
Jede Gießkanne wird katalogisiert und es werden die Geschichten oder Erinnerungen der ehemaligen Besitzer gesammelt. Materialien wie gepresstes Metall, Kunststoff oder Keramik veranschaulichen, dass eine Gießkanne sowohl ein nützliches als auch ein ästhetisches Objekt sein kann. Außerdem wurden schöne Drucke aus dem späten 19. Jahrhundert erworben, die Gießkanne in verschiedenen Kontexten darstellen. Seit Frühjahr 2012 kooperiert das Museum zudem mit dem Frankfurter Kunstprojekt „Botanoadopt“, bei dem „vernachlässigte und misshandelte Zimmerpflanzen“ zur Adoption angeboten werden.
Das Gießkannenmuseum, das sich in der Sonnenstraße in der Nähe des Botanischen Gartens befindet, ist aufgrund seiner Lage leicht zu finden und für Besucher kostenlos zugänglich. Der Standort hat zudem eine besondere Bedeutung, da „Gießen“ für „bewässern“ steht.
Informationen zur Gründung des Museums, den beliebtesten Kannen sowie Unterschiede zwischen Ost- und Westkannen hat Heike Sicconi für eine Episode des „Gartenradio“ recherchiert, um das Projekt längerfristig erfolgreich zu unterstützen. Weitere Informationen zu dieser einzigartigen Einrichtung und deren Sammlung können in den Berichten von detektor.fm und atlasobscura.com nachgelesen werden.