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Der Straßenkarneval hat unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen begonnen, wie radioenneperuhr.de berichtet. An Weiberfastnacht stürmten Frauen in vielen Städten die Rathäuser und übernahmen symbolisch das Regiment. In Köln waren viele Zehntausende Feiernde auswärts anwesend, allerdings war laut Stadt «erkennbar weniger los als in den Vorjahren». Die Gründe für die geringere Teilnehmerzahl sind unklar; es könnte entweder an Anschlagsdrohungen im Internet oder bereits erfolgten Feiern in der langen Karnevalssession liegen, die traditionell vom 11.11. bis zum Aschermittwoch dauert.
In der Kölner Innenstadt sind Polizei und Streifenwagen stark präsent, unter anderem mit Autosperren. Aufgrund von Aufrufen zu Anschlägen während des Kölner Karnevals in sozialen Netzwerken hat das Bundeskriminalamt (BKA) diese jedoch als «Propagandaveröffentlichungen» eingestuft. Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns betonte, dass solche Posts der Verunsicherung dienen. In Nordrhein-Westfalen sind 9.900 Polizisten im Einsatz, 2.500 mehr als an einem regulären Donnerstag. Landesinnenminister Herbert Reul und Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonten, dass man sich nicht von Terroristen einschüchtern lassen dürfe. Einige Personen aus einer Frankfurter Busreisegruppe sagten ihre Teilnahme aus Angst vor Anschlägen ab, während andere sich entschieden, dennoch zu kommen.
Sicherheitslage und Karnevalsfeiern in Deutschland
Die Sicherheitslage ist nach den tödlichen Anschlägen radikalisierter Einzeltäter angespannter, was die Planung der Karnevalsveranstaltungen in vielen Kommunen erschwert. Wie welt.de berichtet, finden einige Faschingsvereine kreative Lösungen, während andere Veranstaltungen absagen. Ein Beispiel ist die Veranstaltung in Marburg, wo am Rosenmontag „Hessens längste Polonaise“ stattfindet; der Wagenumzug fällt jedoch aus.
Karnevalisten fühlen sich zunehmend durch die Sicherheitsvorgaben und den damit verbundenen Kostenanstieg überlastet. Bundesweit beschäftigen sich Karnevalsvereine und Kommunen intensiv mit der Sicherheitsorganisation für Umzüge, wobei der Bund Deutscher Karneval 5.300 Vereine und 2,6 Millionen Mitglieder vertritt. Bis Aschermittwoch, dem 5. März, werden 3.500 Umzüge erwartet. Innenminister Reul appelliert an die Menschen, den Karneval trotz der angespannten Sicherheitslage zu feiern und nicht eingeschüchtert zu werden. In Köln werden allein an der Zugstrecke 1,5 Millionen Menschen erwartet, wofür die Polizei zahlreiche Maßnahmen mit 1.500 zusätzlichen Beamten, 300 Ordnungsamtsmitarbeitern und 1.200 privaten Sicherheitskräften plant.