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Rathausbau im ländlichen Franken: Herausforderungen und Lösungen nach 1945

Am 20. März findet um 19.30 Uhr ein Vortrag über den „Rathausbau im ländlichen Franken nach 1945“ in der Synagoge in Lichtenfels statt. Die Veranstaltung wird vom Geschichtsverein Colloquium Historicum Wirsbergense (CHW) ausgerichtet. Die Volkskundlerin Regina Kapfer wird dabei die Herausforderungen des Rathausbaus in der Nachkriegszeit beleuchten und auf Veränderungen durch die Gebietsreform eingehen.

Besondere Beispiele aus dem Coburger Land und dem Landkreis Erlangen-Höchstadt werden zur Veranschaulichung herangezogen. Die Notwendigkeit von Räumlichkeiten für wachsende Verwaltungen wird durch Umbauten und Neubauprojekte thematisiert. Der Vortrag ist öffentlich, kostenfrei und erfordert keine Voranmeldung. Weitere Informationen sind auf der Webseite des CHW verfügbar.

Historische Kontexte der Gebietsreform in Bayern

Die Gebietsreform in Bayern, die 1972 in Kraft trat, führte zur drastischen Reduzierung der Landkreise von 143 auf 71. Diese Reform hatte erhebliche Folgen, insbesondere für den Landkreis Wasserburg, der aufgelöst wurde. Der Verlust von Einwohnern und Arbeitsplätzen stellte eine große Herausforderung dar.

Martin Geiger, der am 1. Juli 1972, gleichzeitig mit den Olympischen Spielen in München, sein Amt als Bürgermeister von Wasserburg antrat, hatte politische Visionen entwickelt, um Wasserburg als Mittelzentrum zu erhalten. Trotz massiver Widerstände gelang es ihm, die Stadt politisch, wirtschaftlich und kulturell zu stabilisieren. Die Massenproteste und das Misstrauen gegen die Reform fanden ihren Ausdruck in der kompletten Ablehnung der CSU-Fraktionen im Stadtrat und Kreistag, die aus der Partei austreten mussten.

Nach dem Abschluss der Gebietsreform im Jahr 1978 blieben 71 Landkreise und 2052 Gemeinden übrig, was einen dramatischen Verlust von 32.000 ehrenamtlichen Mandaten zur Folge hatte. Historiker Ferdinand Kramer hebt hervor, dass die Reform auch den Verlust an politischer Partizipation mit sich brachte. Die Auswirkungen der Reform reichten von wirtschaftlichem Ausbluten für einige Städte bis hin zu Stabilisierung für Orte wie Wasserburg.

Die Gemeinde Ermershausen in Unterfranken kämpfte um ihre Selbständigkeit und erhielt diese schließlich 1994 zurück, nachdem die Bewohner das Rathaus besetzt hatten, was die menschlichen Dramen und langfristigen Folgen der Reform verdeutlicht, wie [Wiesentbote](https://www.wiesentbote.de/2025/03/18/vortrag-in-lichtenfels-ueber-rathausbau-im-laendlichen-franken-nach-1945/) berichtete, sowie [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de/bayern/gebietsreform-wasserburg-franz-josef-strauss-1.5613410) detailliert darlegte.