
Eine neue Studie enthüllt, dass Menschen tendenziell kleine Gruppen überschätzen und große Gruppen unterschätzen. Dies geschieht unabhängig von Bedrohungsgefühlen und kann eher durch psychologische Muster erklärt werden. Laut einem Artikel von Welt haben die Forscher festgestellt, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Gruppengrößen korrekt zu bewerten, insbesondere wenn es um Minderheiten geht.
Gemäß dem Mikrozensus leben in Deutschland etwa 24,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, was ca. 30% der Bevölkerung entspricht. Die Studie der US-amerikanischen Forscher, die in den „Proceedings“ der nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde, zeigt, dass die fehlerhaften Einschätzungen von Gruppengrößen nicht auf emotionale Bedrohungen zurückzuführen sind. Stattdessen tendieren Menschen dazu, kleine Häufigkeiten zu überschätzen und große zu unterschätzen. Dieses Phänomen ist als „Regression zur Mitte“ bekannt.
Psychologische Erklärungen für Fehleinschätzungen
Die Studie und deren Ergebnisse basieren auf Daten von über 36.000 Befragten weltweit. Ein Ergebnis ist, dass Menschen allgemein bei Schätzungen weit danebenliegen und für ihre Einschätzungen häufig zu wenig Informationen besitzen. Dies führt zu einer mittleren Schätzung von etwa 50 Prozent, was zur Überschätzung kleiner Gruppen und zur Unterschätzung großer Gruppen beiträgt.
Hans Alves, Sozialpsychologe der Ruhr-Universität Bochum, erklärt, dass die bisherigen Erklärungen für die Fehleinschätzungen von Minderheiten oft auf motivationalen Ansätzen beruhten, die emotionale Reaktionen gegenüber bestimmten Gruppen in den Vordergrund stellen. Es zeigt sich jedoch, dass die allgemeine Tendenz zur Fehleinschätzung in vielen Kontexten besteht, nicht nur bei sozialen Minderheiten, sondern auch in anderen Bereichen wie der Einschätzung der Häufigkeit von Buchstaben in Texten.
Um Vorurteile abzubauen, schlägt Psychologe Sebastian Gluth vor, dass Wissen über Minderheiten vermittelt und der Kontakt zwischen Gruppen gefördert werden sollte. Diese Schritte könnten dazu beitragen, die Informationsbasis der Menschen zu verbessern und die Verzerrungen in der Wahrnehmung zu verringern.