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Windkraft-Streit: Bürger wehren sich gegen Windfabriken in Thüringen!

Im Thüringer Kyffhäuserkreis protestierten Anwohner gegen die möglichen Pläne zum Bau von Windkraftanlagen. Die Bürgerinitiative „Freie Sicht“ äußerte Bedenken in einer Informationsveranstaltung, an der auch Bürgermeister Steffen Sauerbier teilnahm. Mit Slogans wie „Lebensraum statt Windfabriken“ und „Entwertung der Immobilien durch Windkraftanlagenbau“ machten die Demonstranten auf ihre Ängste aufmerksam. Denny Vollrath-Ziessnitz, ein Mitglied der Initiative, warnte vor nachhaltigen Schäden an der Natur durch die Errichtung von mindestens 27 Windgroßanlagen. Derzeit existieren zwar keine konkreten Pläne für Windkraftanlagen an der Hohen Schrecke, trotzdem plant das Berliner Unternehmen Erneuerbare Energien Fabrik (EEF), geeignete Standorte zu suchen, auch außerhalb festgelegter Windvorranggebiete.

Die möglichen Standorte umfassen die Gemeinden Reinsdorf, wo fünf Windkraftanlagen und Gehofen, wo sieben Windkraftanlagen errichtet werden könnten. EEF betont, dass bei der Planung die erforderlichen Abstände zu Siedlungen und dem Naturschutzgebiet Hohe Schrecke berücksichtigt werden. Laut dem Windenergieflächenbedarfsgesetz muss Thüringen bis 2032 2,2% seiner Flächen als Windvorranggebiete ausweisen. Um diesem Ziel zu entsprechen, müsste die Windkraftfläche in Nordthüringen etwa verdoppelt werden. EEF plant eine Inbetriebnahme der Windkraftanlagen für das Jahr 2031. Leonie Neef von EEF hob die Bedeutung eines Dialogs mit den Anwohnern hervor, während Bürgermeister Sauerbier mehr Informationen über die Vorhaben einfordert und Bedenken äußert, dass zusätzliche Windräder den Tourismus der Gemeinde beeinträchtigen könnten. Geplante runde Tische sollen den Austausch zwischen Anwohnern und EEF-Mitarbeitern fördern.

Widerstand gegen Windkraft auch in anderen Regionen

Nicht nur in Thüringen regt sich Widerstand gegen Windkraftanlagen. In Nordwestbrandenburg haben Anwohner in Wulkow vor den möglichen negativen Auswirkungen auf die idyllische Waldlandschaft gewarnt. Der dortige Regionalplan sieht 46 Vorranggebiete für Windkraftanlagen vor, von denen sich elf Gebiete mindestens zur Hälfte oder gänzlich in Waldflächen befinden. Eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Freier Wald“ wurde gegründet, um die Anliegen der Anwohner zu unterstützen. Diese argumentieren, dass der Wald als CO2-Speicher und Lebensraum geschützt werden sollte. Pro Windkraftanlage ist zudem ein halber Hektar Waldfläche erforderlich, zusätzlich wird Platz für Zuwegungen benötigt.

Der Netzbetreiber Edis berichtete, dass bereits 90.000 Erneuerbare-Energie-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 14 Gigawatt in seinem Netzgebiet aktiv sind. Es liegen Anschlussbegehren für über 165 Gigawatt vor, was die Netzsituation zusätzlich verschärft. Die Ausweitung der Netzinfrastruktur benötigt in der Regel zwischen acht und zwölf Jahren, während Windkraftanlagen schneller errichtet werden können. Oft stehen die Windräder still, wenn mehr Strom erzeugt wird, als die bestehenden Leitungen aufnehmen können. Gesetzliche Vorgaben verlangen die Ausweisung von Flächen für Windenergie in Brandenburg, und das Windenergieflächenbedarfsgesetz verpflichtet das Land, bis Ende 2027 mindestens 1,8% seiner Fläche für die Windnutzung auszuweisen. Eine Öffentlichkeitsbeteiligung zu diesen Plänen ist für Herbst 2024 angesetzt.