
Ein lautes Beben durchzieht Afghanistan, als der mächtige Anführer der Taliban, Haibatullah Achundsada, einen symbolischen Schlussstrich unter die Demokratie im Land zieht. Pünktlich zum muslimischen Feiertag Eid-al-Fitr verkündet er in der traditionsreichen Eidgah-Moschee in Kandahar, dass die Scharia erneut als einzig gültiges Rechtssystem in Afghanistan gilt. „Es gibt keinen Bedarf an Gesetzen, die aus dem Westen stammen“, so Achundsada, während landesweit viele Zuhörer gespannt den Atem anhalten. Eine Nachricht, die wie ein Blitz einschlägt und den Afghanen die neue, alte Realität unterstreicht: Solange es die Scharia gibt, ist die Demokratie tot. Achundsadas Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer über soziale Medien.
Seit der dramatischen Rückkehr der Taliban an die Macht im Sommer 2021 hat das Regime die Türen zu Arbeitsplätzen, öffentlichen Plätzen und Schulen für Frauen und Mädchen meist fest verschlossen. Die internationale Gemeinschaft sieht dies mit Besorgnis und Fassungslosigkeit. Die Hoffnungen auf eine gemäßigte Herrschaft unter den Taliban, wie sie anfänglich versprochen wurde, zerschlugen sich schnell wie eine zerbrechliche Seifenblase, denn Achundsada hat die rigiden Richtlinien seiner Herrschaft in den vergangenen Jahren noch verschärft. Der Internationale Strafgerichtshof hat bereits mit Hochdruck Haftbefehle gegen ihn und einen seiner engsten Vertrauten, den obersten Taliban-Richter Abdul Hakim Hakkani, beantragt, wie aus einem Bericht von Welt hervorgeht.
Rückschritt ins Mittelalter?
Die neue scharfe Rhetorik der Taliban unter Achundsada wirft die Frage auf: Ist Afghanistan auf dem Weg zurück ins Mittelalter? Die strikten Regelungen drohen dem Land eine düstere Zukunft zu bescheren. Der Westen und Menschenrechtsorganisationen rund um den Globus zeigen sich besorgt und suchen händeringend nach Wegen, Einfluss zu nehmen. Doch die Taliban scheinen angesichts der international verhängten Sanktionen immer mehr abzuschotten.
Internationale Reaktionen
Die internationalen Bemühungen, die Situation in Afghanistan zu mildern, gestalten sich schwierig. Viele Länder kämpfen damit, ihre diplomatischen Beziehungen zu diesem Land neu zu definieren. Die drängenden Fragen zu Menschenrechten und internationalem Strafrecht sind nun präsenter denn je, nachdem die Taliban deutlich gemacht haben, dass sie keinerlei Bedarf an westlich geprägten Gesetzen sehen und vollends auf die Scharia setzen.
Der Vorhang in Afghanistan hat sich gesenkt. Die Frage nach der Zukunft bleibt offen. Doch was bleibt, ist die Hoffnung auf ein Ende der Unterdrückung und Verfolgung von Frauen und Mädchen, wie auch Welt berichtet und der Internationale Strafgerichtshof fordert, dass sich die Verantwortlichen für ihre Taten verantworten.“}