
Die Wolfspopulation in Europa hat sich in den letzten zehn Jahren um 58 Prozent erhöht. Dies ist ein bedeutender Fortschritt für den Naturschutz, wie Cecilia Di Bernardi von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften anmerkt. Die Rückkehr der Wölfe wird als solches anerkannt, bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Jährlich töten Wölfe in der EU schätzungsweise 56.000 Nutztiere, was zu Entschädigungszahlungen von etwa 17 Millionen Euro führt.
Im Monitoringjahr 2023/2024 wurden in Deutschland circa 209 Rudel, 46 Wolfspaare und 19 territoriale Einzeltiere gezählt. Die Zunahme der Wolfspopulation wirkt sich direkt auf Weidetierhalter aus, was zu einem Anstieg der Wolfsrisse beiträgt. 2023 wurden darüber hinaus 5.727 Tiere bei 1.268 Übergriffen verwundet oder getötet, wobei Schafe und Ziegen einen Großteil der Verluste ausmachten.
Herausforderungen für die Nutztierhaltung
Die Rückkehr des Wolfs bringt für Weidetierhalter verschiedene Herausforderungen mit sich. Die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen beliefen sich im Jahr 2023 auf etwa 18,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Ausgleichszahlungen für Nutztierübergriffe betrugen im Jahr 2022 rund 637.000 Euro. Laut [bmel.de](https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/artenvielfalt/wolf.html) sind Herdenschutzhunde, Elektrozäune und Wildgatterzaun gängige Präventionsmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe.
Jedoch ist der Wolf weiterhin besonders geschützt. Änderungen im Bundesnaturschutzgesetz ermöglichen eine erleichterte Entnahme „problematischer“ Wölfe, wenn ernsthafte wirtschaftliche Schäden drohen. Der rechtliche Schutz wird durch die EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Berner Konvention unterstützt und stellt sicher, dass Maßnahmen zur Population und zum Herdenschutz stattfinden.
Wölfe ernähren sich überwiegend von Wild, wodurch sich Rudel von Schwarz- und Rotwild in Wolfsgebieten vermehren. Diese dynamischen Veränderungen sind Teil des komplexen Zusammenspiels zwischen Wolf und Umgebung. Allerdings ist das Risiko für Menschen durch Wölfe äußerst gering, und es wurden in Europa seit 2002 keinerlei tödliche Angriffe nachgewiesen. Dennoch muss die Akzeptanz der Wölfe in der Öffentlichkeit gefördert werden, um zukünftige Konflikte zu vermeiden.
In Deutschland zeigt sich ein insgesamt positives Bild aus ökologischer Perspektive. Die Wölfe tragen dazu bei, das Verhalten von Wildtieren zu regulieren und senken damit auch das Risiko von Verkehrsunfällen, wie etwa die 24-prozentige Verringerung von Autounfällen mit Weißwedelhirschen in Wisconsin zeigt. In Europa gibt es insgesamt schätzungsweise 21.500 Wölfe, wobei die genauen Zahlen für Russland, Weißrussland und Moldau nicht mit einbezogen sind.
Die Diskussion um den Wolf und den Naturschutz bleibt ein polarisiertes Thema, besonders angesichts der von der EU angestrebten Herabstufung des Schutzstatus. Die EU-Kommission plant, Wölfe von einem sehr strengen auf einen strengen Schutzstatus herabzustufen, was potenziell zu einer Erleichterung bei der Bejagung führen könnte, wie [welt.de](https://www.welt.de/wissenschaft/article255809434/Woelfe-in-Deutschland-Rueckkehr-der-Rudel-hat-auch-Vorteile.html) berichtet.