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Hexensturm im Landratsamt: Weiberfasching sorgt für Furore!

Am heutigen Weiberfasching haben die Hexen der Karnevalsgesellschaft Hilaritas Lauf das Landratsamt im Nürnberger Land gestürmt. Die actionreiche und farbenfrohe Aktion fand am Vormittag statt und wurde von Trommeln, ausgelassenen Rufen sowie bunten Kostümen begleitet. Landrat Armin Kroder nahm das ungewöhnliche Ereignis mit Humor auf und ließ sich von den Hexen die Krawatte, ein Symbol der Macht, abschneiden. Diese Krawatte wurde als Trophäe mitgenommen.

Nach der Erstürmung feierten die Hexen gemeinsam mit Landrat Kroder in ausgelassener Stimmung. Der Weiberfasching, der jährlich am Donnerstag vor dem Aschermittwoch gefeiert wird, markiert den Übergang vom Sitzungs- zum Straßenkarneval. Die Tradition hat ihre Wurzeln im Mittelalter, als Frauen oft Männern untergeordnet waren. An diesem speziellen Tag übernahmen die Frauen das Regiment, während die Männer ihre Zeit mit Haushalt und Kindern verbrachten. Das Durchtrennen der Krawatte als Symbol der Entmachtung der Männer stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und ist auch heute noch ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten.

Die Tradition des Weiberfaschings

Die Bezeichnung Weiberfasching variiert regional und wird in Deutschland auch als Gumpendonnerstag, schmotziger Donnerstag oder Glombia Doschdig bezeichnet. In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche regionale Namen für diesen Tag, während der Begriff Weiberfasching aus dem Rheinland stammt. Die Feierlichkeiten führen häufig dazu, dass Rathäuser gestürmt oder Straßenumzüge veranstaltet werden, wobei der Weiberfasching historische Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert hat. Damals genossen Nonnen und Stiftsfrauen während des Faschings verbotene Genüsse wie Kaffee, Tee, Wein und Schokolade.

Die moderne Form des Weiberfaschings entstand im 19. Jahrhundert im Bonner Stadtteil Beuel, wo Wäscherinnen das „Beueler Damenkomitee“ gründeten und in Kneipen über ihre Männer lästerten. In Beuel wird auch heute eine Wäscherprinzessin gekürt, und ein Festumzug findet dort statt. In Kempten im Allgäu wird seit 1998 am „gumpigen Donnerstag“ das Rathaus gestürmt. Das Abschneiden von Krawatten zur Aufhebung von Rangunterschieden zwischen Vorgesetzten und Angestellten ist ebenfalls ein beliebtes Ritual, das oft als symbolische Kastration interpretiert wird, obwohl es juristisch als Sachbeschädigung gilt.