
Die christlichen Kirchen im Südwesten Deutschlands sehen sich einem anhaltenden Mitgliederschwund gegenüber. Im Jahr 2024 meldete das katholische Erzbistum Freiburg über 25.000 Austritte, während das Bistum Rottenburg-Stuttgart knapp 24.000 verzeichnete. Insgesamt leben noch über 3,1 Millionen Katholiken in Baden-Württemberg. Auch die evangelischen Kirchen sind betroffen: Die evangelische Landeskirche in Baden zählte über 19.000 Austritte, während in der evangelischen Landeskirche von Württemberg mehr als 30.000 Menschen die Kirche verließen.
Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich der Rückgang der Austritte jedoch abgeschwächt. Die Bischöfin der badischen Landeskirche, Heike Springhart, äußerte, dass Austritte schmerzhaft seien. Christoph Neubrand, Generalvikar des Erzbistums Freiburg, betonte die fortwährende Bedeutung der katholischen Kirche trotz der sinkenden Mitgliederzahlen. Bundesweit lag die Zahl der katholischen Kirchenmitglieder in Deutschland im vergangenen Jahr bei 19,8 Millionen, während die Gesamtzahl der Kirchenaustritte bundesweit 321.611 betrug, was einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr darstellt, in dem 402.694 Austritte verzeichnet wurden. Die evangelische Kirche hatte Ende des vergangenen Jahres rund 18 Millionen Mitglieder, was einen Rückgang um knapp 500.000 im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Die Zahl der Austritte in der evangelischen Kirche ging um 8,2 Prozent zurück.
Besondere Entwicklungen der letzten Jahre
Die Verluste sind nicht neu, denn bereits 2022 traten mehr als 522.000 Menschen aus der katholischen Kirche aus, was damals einen Rekordwert darstellte. Allein in Baden-Württemberg haben mehr als 81.500 Menschen die katholische Kirche verlassen, ebenfalls ein Höchstwert. Im Erzbistum Freiburg traten rund 41.800 und im Bistum Rottenburg-Stuttgart etwa 39.700 Menschen aus. Die Austrittszahlen stiegen insbesondere nach der Vorstellung eines Missbrauchsgutachtens im Erzbistum München und Freising im Januar 2022, das ebenfalls zu einem Anstieg der Austrittszahlen in Freiburg führte.
Freiburger Erzbischof Stephan Burger äußerte Bestürzung über die hohen Austrittszahlen und bezeichnete sie als Quittung für Missbrauchsvergehen und Vertrauensverlust. Rottenburger Bischof Gebhard Fürst sprach von einer „bitteren Realität“ und forderte neue Ideen zur Gegensteuerung. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, zeigte sich „traurig, aber wenig überrascht“ über die Zahlen. Der Vorsitzende der Deutschen katholischen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, nannte die Werte alarmierend und betonte die Notwendigkeit, konsequent zu handeln.
Eine Umfrage des SWR unter Ausgetretenen ergab, dass finanzielle Aspekte und unzureichende kirchliche Strukturen wesentliche Gründe für die Austritte darstellen. Im Jahr 2022 lebten in Deutschland rund 21 Millionen Katholiken, was 24,8 Prozent der Bevölkerung entspricht. In Baden-Württemberg gehörten 2022 über 3,3 Millionen Menschen der katholischen Kirche an, etwa 29 Prozent der Bevölkerung. Auch die evangelische Kirche verzeichnete 2022 einen Rückgang von 380.000 Mitgliedern. In Baden-Württemberg traten rund 22.150 Mitglieder aus der evangelischen Landeskirche in Baden und 32.800 aus der evangelischen Landeskirche Württemberg aus. Aktuell sind in Baden-Württemberg noch etwa 2,8 Millionen Menschen Mitglied der evangelischen Kirche.