
Am 23. Februar 2025 stehen in Pforzheim sowohl Gedenkveranstaltungen als auch die Bundestagswahl im Mittelpunkt des Interesses. An diesem Tag wird an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert, bei der rund 18.000 Menschen, etwa ein Viertel der damaligen Bevölkerung, ums Leben kamen. Die britische Bombardierung fand am 23. Februar 1945 statt und hinterließ Pforzheim in Trümmern.
Bei der bevorstehenden Bundestagswahl wird die AfD, die in Pforzheim als Hochburg gilt, als potenzielle Gewinnerin angesehen. Die AfD-Kandidatin Diana Zimmer wird gegen Gunther Krichbaum von der CDU antreten. Bei den letzten Wahlen erhielt die CDU 24,2 Prozent der Zweitstimmen, während die AfD auf 13,5 Prozent kam. Im Wahlkreis 279, der Pforzheim und den Enzkreis umfasst, konnte die AfD bei der Kommunalwahl 2022 mit 22,0 Prozent die stärkste Fraktion stellen.
Gedenkveranstaltungen und Zeitzeugenberichte
Die Gedenkveranstaltungen am heutigen Tag beginnen um 12:00 Uhr mit einer Ansprache von Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) auf dem Hauptfriedhof. Während des 22-minütigen Luftangriffs um 19:50 Uhr läuten die Kirchenglocken. Zudem sind eine Fackelmahnwache um 19:40 Uhr auf dem Wartberg mit 50 bis 70 angemeldeten Teilnehmern und eine Kundgebung auf dem Marktplatz geplant, zu der etwa 1.000 Teilnehmer erwartet werden.
Die Gedenkfeiern zeichnen sich nicht nur durch die Erinnerungen an die Schrecken des Angriffs aus, sondern auch durch Berichte von Zeitzeugen. Ellen Eberle (86 Jahre) und Heinz Geier (91 Jahre) berichteten über ihre Erlebnisse während der Bombardierung. Geier, der als 12-Jähriger während des Angriffs lebte, erinnerte sich daran, wie seine Familie Schutz im Luftschutzkeller suchte und die Detonationen erlebte. Eberle, die sich zeitlebens gegen Rechtsextremismus engagiert, überlebte den Angriff in einem Luftschutzbunker, wo sie zusammen mit 40 bis 45 anderen Menschen in Todesangst wartete. Nach dem Angriff fanden sie eine brennende Stadt vor, die zu zwei Dritteln zerstört war.
Die Polizei befürchtet nicht zuletzt aufgrund der politischen Situation, dass die Gedenkveranstaltungen von Spannungen begleitet werden könnten, appelliert jedoch an den Respekt und die Gewaltlosigkeit der Teilnehmer. Flaggen werden während der Wahl auf Vollmast gehisst, danach wird die Stadtflagge auf Halbmast gesetzt.
Die jährlichen Gedenkfeiern am Hauptfriedhof sind ein fester Bestandteil des Gedenkens an die Opfer des Luftangriffs, während die politischen Umstände und die Erinnerung an die Vergangenheit Pforzheim nachhaltig prägen.