
Carsten Knaus, ehemaliger Vorstand der Sparkasse Pfullendorf, sieht sich seit seiner fristlosen Kündigung im vergangenen Jahr mit rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Gründe für seine Entlassung wurden von der Sparkasse und Knaus bisher nicht öffentlich gemacht. Aktuell wird am Landgericht Hechingen ein Verfahren gegen ihn verhandelt, in dem es um die Vorwürfe geht, die Knaus während seiner Amtszeit nicht ausreichend über ein Gerichtsverfahren informiert gewesen zu sein. Verbraucherschützer hatten die Sparkasse wegen einer Klage hinsichtlich Gebühren zu Riester-Verträgen verklagt. Die Sparkasse setzte sich in diesem Verfahren nicht durch, plant jedoch, in Berufung zu gehen, wie [schwaebische.de](https://www.schwaebische.de/regional/sigmaringen/unrechtmaessige-kuendigung-ex-chef-der-sparkasse-verraet-vor-gericht-brisante-details-3317887) berichtet.
Währenddessen bezog Knaus bereits seine vollen Pensionsansprüche und wartet auf das Urteil des Gerichts, das am 1. Juli bekannt gegeben wird. Eine Rückkehr auf seine Position scheint unwahrscheinlich, selbst wenn das Gericht daran Zweifel äußerte. Der Richter klärte, dass Knaus‘ Arbeitsverhältnis bis Oktober 2024 für 30 Monate fortgeführt werden könnte, bevor es einvernehmlich aufgelöst wird. Knaus wies auch darauf hin, dass er keine Informationen darüber hatte, ob der damalige Vorstandsvorsitzende Hubert Rist über die Klage informiert war. Rist wurde für zwei Wochen freigestellt, während Knaus die fristlose Kündigung erhielt, die von seinem Anwalt als unverhältnismäßig kritisiert wurde. Die Sparkasse erlebte 2022 aufgrund der Zinswende eine Krise, die zur Auflösung von zehn Millionen Euro Rücklagen führte.
Neuausrichtung der Sparkasse
In Verbindung mit der Trennung von Knaus plant die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch eine strategische Neuausrichtung. Diese wurde am 1. Oktober beschlossen und von Bürgermeister Ralph Gerster, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates, öffentlich gemacht. Gerster betonte, dass kein wirtschaftlicher Schaden für die Sparkasse entstanden sei und wies Spekulationen über Fusionspläne mit der Hohenzollerischen Landesbank zurück. Die Eigenständigkeit der Sparkasse bleibe somit gewahrt, wie [suedkurier.de](https://www.suedkurier.de/region/linzgau/pfullendorf/nach-turbulenten-tagen-erklaert-sparkasse-neue-strategie;art372570,12209361) berichtet.
Die Sparkasse wird künftig von einer Doppelspitze geleitet, wobei Dr. Jörg Scheibe am 23. Oktober offiziell als Vorstandsvorsitzender vorgestellt werden soll. Gerster und Scheibe gaben an, dass keine Pläne für Personalabbau oder Filialschließungen bestehen. Um auf Veränderungen wie Digitalisierung und den demografischen Wandel reagieren zu können, sollen interne Abläufe überprüft und eventuell der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Betracht gezogen werden. Aktuell liegt die Eigenkapitalquote der Sparkasse bei 17 Prozent, und die Suche nach einem neuen Vorstandsmitglied hat bereits begonnen.