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Vom Skandal-Bordell zur Zuflucht: Fellbachs Wandel an der Schaflandstraße

Eine skandalumwobene Vergangenheit wird jetzt zum Hoffnungsträger: In Fellbach, einer Stadt am Rand von Stuttgart, wird gerade ein ehemaliges Bordell in der Schaflandstraße umgebaut. Einst bekannt für seine Flatrate-Offerten, wird das Gebäude nun zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umgestaltet. Vor 16 Jahren sorgte das „Pussy Club“ genannte Bordell bundesweit für Aufsehen, als es Männern ermöglichte, für einen niedrigen Eintrittspreis unbegrenzt Damenbekanntschaften zu machen.

Heute hat das Gebäude einen neuen Zweck gefunden. Die Stadt Fellbach hat, nachdem im Zuge der Diskussionen mit dem Land über eine Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge nichts mehr gehört wurde, beschlossen, das mehrstöckige Haus direkt an den Bahngleisen zu einer Unterkunft für Geflüchtete umfunktionieren. Wie Stuttgarter Nachrichten berichtet, werden die Räume von der Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach (WDF) renoviert und künftig als Anschlussunterkunft genutzt.

Vergangenheit voller Kontroversen

Der berüchtigte „Pussy Club“ war 2009 Schauplatz einer groß angelegten Razzia, bei der 360 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Vertreter der Zollbehörden beteiligt waren. Sie fanden 89 Prostituierte – die meisten stammten aus Rumänien – und 176 Kunden vor. Aufgrund der hygienischen Missstände musste der Club geschlossen werden. In den Jahren danach beherbergte das Gebäude einen weiteren Betrieb, genannt „FKK Safari“, aber ohne die vorher angebotenen Flatrate-Tarife.

Der Wechsel von einem umstrittenen Vergnügungsetablissement zu einem Zufluchtsort für Menschen in Not markiert einen bemerkenswerten Wandel im Schicksal des Gebäudes. Mit dem geplanten Einzug der ersten Bewohner im Frühsommer 2025 wird die Stadt intentiv an der Neugestaltung der Nutzung arbeiten.

Umnutzung und Zukunftsplan

Die WDF betreut bereits mehrere solcher Unterkünfte in Fellbach, zum Beispiel in der Tournonstraße in Schmiden. Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen werden die neuen Räumlichkeiten dringend gebraucht, um die wachsende Nachfrage zu bedienen und entfallene Standorte zu kompensieren. Nach Informationen der Stadtverwaltung wird die Öffentlichkeit im Mai 2025 detailliert über die weiteren Pläne und den Fortschritt informiert, so Daniel Plaz von der WDF.

Das Schicksal des ehemaligen Bordells scheint eine positive Wendung zu nehmen. Von einem Ort, der einst Empörung auslöste, wird es zu einem Ort der Hoffnung und Zuflucht für viele Menschen – eine Entwicklung, die über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet.