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Jazz-Legende Coco Schumann: Vom Ghetto zum Weltstar!

Coco Schumann, geboren am 14. Mai 1924 in Berlin, gilt als eine herausragende Persönlichkeit in der Geschichte des Jazz und als Holocaust-Überlebender. Er wurde früh vom Swing-Fieber erfasst, spielte trotz des nationalsozialistischen Verbots weiter und wurde im März 1943 im Ghetto von Theresienstadt interniert. Dieses Ghetto war ein Vorzeigeprojekt der Nazis, welches internationalen Beobachtern eine vermeintlich positive Situation der Juden vorgaukelte. Obwohl kulturelle Angebote wie Musik vorhanden waren, litten die Insassen unter Hunger und Krankheiten. In Theresienstadt schloss sich Schumann den „Ghetto-Swingers“ an, die vom tschechischen Trompeter Erich Vogel gegründet worden waren.

Nach einem Jahr im Ghetto wurde Schumann ins KZ Auschwitz deportiert, wo er gezwungen war, an der Todesrampe „La Paloma“ zu spielen. Im Jahr 1945 kam er nach Dachau, überlebte den Todesmarsch und wurde von US-Soldaten befreit. Nach seiner Befreiung äußerte er, dass er sich nicht beschwere, sondern erfreut sei, dass er überlebt habe. Er kehrte in die Jazzszene zurück und passte seine Gitarre auf die E-Gitarre an, bevor er mit berühmten Künstlern wie Ella Fitzgerald, Marlene Dietrich und Louis Armstrong auftrat. Bereits 1947 spielte er mit Helmut Zacharias die ersten deutschen Bebop-Aufnahmen ein und trat 1957 im Film „Witwer mit 5 Töchtern“ von Heinz Erhard auf.

Tribute to Coco Schumann

Die neue CD „Tribute to Coco Schumann“ wurde durch die Förderung des Rotary Jazz e.V. möglich gemacht. Diese CD enthält Musikstücke, die in die 1950er- und frühen 1960er-Jahre zurückversetzen und wurden in der Corona-Zeit von Alexander Kranich, einem langjährigen Freund Schumanns, rekonstruiert. Kranich hatte Schumann beim Hamburger Kirchentag 2013 kennengelernt und blieb bis zu seinem Tod 2018 in Kontakt mit ihm. Schumann hatte ihm seine Gibson-Gitarre vermacht, die nun Teil des Erbes des großen Jazzmusikers ist.

Coco Schumann überlebte einige der schlimmsten Gräueltaten des Holocaust, verlor zahlreiche Verwandte, hingegen aber seine Eltern. Nach dem Krieg siedelte er 1950 mit seiner Familie nach Australien aus, kehrte jedoch 1954 nach Berlin zurück, wo er das Coco Schumann Quartett gründete. Seine Lebensgeschichte wurde in einer Graphic Novel von Caroline Gille und Niels Schröder festgehalten, während seine Autobiografie „Der Ghetto-Swinger: eine Jazzlegende erzählt“ erstmals 1997 veröffentlicht wurde und als Bestseller gilt. Schumann war nicht nur ein wichtiger Musiker, sondern auch ein durch den Naziterror geprägter Zeitzeuge, der in späteren Jahren betonte, dass er ein Musiker war, der in Konzentrationslagern gefangen war und nicht umgekehrt, wie [schwaebische.de](https://www.schwaebische.de/kultur/album-tribute-to-coco-schumann-ist-eine-entdeckung-3419561) und [Wikipedia](https://en.m.wikipedia.org/wiki/Coco_Schumann) berichten.