
Ali Ertan Toprak, der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, hat ein sofortiges Ende der „Appeasement-Politik“ gegenüber dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefordert. Dieser Aufruf folgt den Protesten in der Türkei, die sich nach der Festnahme des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu entfalten. Toprak beschreibt die aktuelle Lage als Erdogans „letztes Gefecht“ und äußert Besorgnis über die Möglichkeit einer Diktatur in der Türkei, falls Erdogan die Oberhand behält.
Toprak sieht in den Protesten das „letzte Aufbäumen der Demokraten“ und betont die Notwendigkeit, die Menschen in der Türkei nicht allein zu lassen. Er spricht sich zudem dagegen aus, der Türkei weitere finanzielle und politische Unterstützung zukommen zu lassen, solange Imamoglu und der politische Gefangene Selahattin Demirtas nicht freigelassen werden, wie madeinbocholt.de berichtete.
Proteste in München
Die Festnahme des abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters hat nicht nur in der Türkei, sondern auch unter den Münchnern mit türkischen Wurzeln für Aufruhr gesorgt. Am Wittelsbacherplatz demonstrierten etwa 700 Teilnehmer gegen die Festnahme und den türkischen Präsidenten Erdogan. Vural Ünlü, der Vorsitzende der „Türkischen Gemeinde in Bayern“, bezeichnete die Situation in der Türkei als hochgefährlich und äußerte die Befürchtung einer möglichen Welle der Gewalt.
Trotz der Einschüchterungen und Demonstrationsverbote in der Türkei sieht Ünlü die hohe Teilnehmerzahl der Proteste als positiv. Unter den Demonstranten gibt es jedoch auch verschiedene Meinungen. Memduh Zeytinoglu, ein Händler aus dem Bahnhofsviertel, unterstützt Erdogan und hält die Festnahme Imamoglus für gerechtfertigt. Auch Sahinaz Cavusoglu, Chefin eines türkischen Supermarkts, äußert Besorgnis über die Lage in der Türkei, während sie gleichzeitig Erdogan unterstützt.
Serdar Duran, Gründer des Bayerisch-Türkischen Forums München, beschreibt die türkische Gemeinde als gespalten zwischen Anhängern des Wandels und Befürwortern nationaler Stärke. Er fordert einen Dialog auf Augenhöhe sowie klare Werte für den Rechtsstaat. Der Münchner Autor und Aktivist Kerem Schamberger kritisiert das türkische Regime und warnt vor einer verstärkten Autorität, wie merkur.de berichtete.