
In Deutschland erhalten Universitäten eine vollumfängliche staatliche Förderung für ihre Investitionen, während Handwerkskammern einen Großteil ihrer Kosten selbst tragen müssen. Dies führt laut Karl-Michael Hopf, Kreishandwerksmeister in Bayreuth, zu einem ernsthaften Nachwuchsproblem im Handwerk. Hopf bemängelt, dass die akademische Bildung in Deutschland als weitaus wertvoller angesehen wird, was die Wahrnehmung des Handwerks negativ beeinflusst, wie der Kurier berichtet.
Im Rahmen einer bundesweiten Kampagne wird das Handwerk als Berufsfeld zunehmend in den Fokus gerückt. Diese Kampagne stellt die Frage: „Was hindert so viele daran, Handwerk zum Beruf zu machen?“ Aktuell fehlen im Handwerk rund 250.000 Fachkräfte, eine Tendenz, die weiter steigend ist. Jährlich bleiben etwa 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, was auf eine mangelnde Akzeptanz und Wertschätzung der dualen Ausbildung hinweist, wie das Handwerksblatt anmerkt.
Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung
Die Kampagne, die am 7. Februar gestartet wurde, ist auf Plakaten, im Fernsehen und in sozialen Medien sichtbar. Sie zielt darauf ab, ein gesellschaftliches Umdenken zu fördern und das Handwerk als ebenso wertvoll wie akademische Berufe zu präsentieren. Trotz der hohen Nachfrage nach Handwerksberufen und einer niedrigeren Arbeitslosenquote im Vergleich zu akademischen Tätigkeiten, schätzt laut einer Forsa-Umfrage (Herbst 2021) nur ein Drittel der Deutschen das Ansehen des Handwerks als hoch ein.
Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer betont die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung. Ralf Stamer, Präsident der Handwerkskammer Schleswig-Holstein, kritisiert die geringere Akzeptanz der dualen Ausbildung und fordert eine stärkere politische Anerkennung sowie Förderung der beruflichen Bildung. Schulen seien aufgerufen, praktische Fertigkeiten zu vermitteln und die duale Ausbildung als attraktive Alternative zum Studium zu präsentieren. Zudem wird Eltern geraten, ihre Kinder in ihren Interessen und Fähigkeiten zu unterstützen, um das Handwerk wieder attraktiver zu machen.