
In Hamburg sehen sich Einzelhändler einem wachsenden Problem gegenüber: dem Personalmangel. Immer mehr Geschäfte reduzieren ihre Öffnungszeiten oder schließen ganz, sowohl vorübergehend als auch dauerhaft. Ein konkretes Beispiel ist das Kinderschuhgeschäft Leo Luna, das aufgrund von Personalmangel montags nicht öffnen kann. Die Inhaberin, Rebecca Willenbrock, berichtet, dass sie seit drei Jahren keine Festangestellten einstellen konnte und häufig auf Werkstudentinnen und Mini-Jobberinnen setzen muss, die oft krank sind oder kündigen. Im vergangenen Jahr schlossen in Hamburg 160 Geschäfte, darunter auch das Möbelhaus Die Wäscherei und Fisch-Böttcher.
Der Personalmangel wird von den Einzelhändlern als zusätzliches Problem zur Konjunkturschwäche, Kaufzurückhaltung und dem Onlinehandel angesehen. Aktuell gibt es auf 100 offene Stellen nur 85 Bewerber, während bundesweit etwa 120.000 Arbeitskräfte im Einzelhandel fehlen. So finden viele Geschäfte Hinweise auf verkürzte Öffnungszeiten, wie beispielsweise die Bäckerei Hönig, die nur von Mittwoch bis Samstag geöffnet hat und bereits um 12 Uhr schließt. Auch im Elbe-Einkaufszentrum zeigen viele Geschäfte reduzierte Öffnungszeiten.
Akute Personalsituation im Einzelhandel
Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, fordern Einzelhändler staatliche Programme. Unternehmen wie Edeka rekrutieren bereits Mitarbeiter aus dem Ausland, während Budnikowsky Anreize wie das Deutschlandticket und Mitarbeiterrabatte bieten, um ihre Belegschaft zu halten. Darüber hinaus startet der Handelsverband eine Social Media-Kampagne zur Gewinnung von Auszubildenden im Einzelhandel.
Ein weiteres Beispiel für die Problematik der Personalsituation ist der Einzelhändler Globetrotter, der seine Öffnungszeiten aufgrund des Personalmangels verkürzt hat. Das Unternehmen hat nun Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr und Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Diese Entscheidung wurde auch getroffen, um die Attraktivität kürzerer Arbeitszeiten für Beschäftigte mit Familien zu erhöhen. Globetrotter hat deutschlandweit etwa 1.000 Mitarbeiter, wobei jede zehnte Stelle unbesetzt ist. Die Verkürzung der Öffnungszeiten soll mehr Bewerbungen insbesondere von jüngeren Menschen anziehen.
Im Hamburger Einzelhandel sind derzeit 1.087 freie Stellen gemeldet, was einem Anstieg von 66,5 % seit Mai 2021 entspricht. Allerdings gibt es auch viele arbeitslose Verkäufer und unbesetzte Aushilfsjobs. Die Situation ist besonders angespannt im Lebensmittelhandel, wo nur 267 arbeitslos gemeldete Personen verzeichnet werden. Die Bäckerei Hönig sucht mindestens vier neue Vollzeitkräfte, während Budnikowsky trotz verschiedener Programme weiterhin Schwierigkeiten hat, Fachkräfte zu finden.
Zusätzlich wird die demografische Entwicklung sowie die Arbeitsbedingungen als Ursache des Personalmangels angesehen. Die Zahl der Ausbildungsplätze im Einzel- und Versandhandel ist 2021 um 607 auf 2.192 gesunken, und es gibt derzeit 724 offene Lehrstellen im aktuellen Ausbildungsjahr. Forschungen zeigen, dass Unternehmenskultur und moderne Personalmanagement-Ansätze besonders relevant für die Anwerbung von Mitarbeitern sind.
Der Edeka-Kaufmann Jörg Meyer hat 50 Wohnungen auf Sylt gebaut, um Personal zu gewinnen, hat jedoch auch in Hamburg Schwierigkeiten identifiziert. Zudem wird die Digitalisierung im Einzelhandel vorangetrieben, etwa durch die Einführung von Selbst-Scanner-Stationen und intelligenten Einkaufswagen. Verbandspräsident Bartmann erwartet auch drastische Veränderungen im Handel mit hybriden Verkaufsansätzen und neuen Arbeitsmodellen.