
Der Fachkräftemangel im Main-Kinzig-Kreis erreicht alarmierende Ausmaße, wie in einer aktuellen Veranstaltung deutlich wurde. Wirtschaftsdezernent betonte die Chancen der Transformation für die Region, mit dem Ziel, sie attraktiver zu gestalten und als Standortfaktor hervorzuheben. Die „Zweite Zukunftswerkstatt zur Fach- und Arbeitskräftesicherung im Main-Kinzig-Kreis“ wurde vom Landkreis und der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen organisiert und fand in Verbindung mit der Unterstützung durch IWAK der Goethe-Universität Frankfurt statt. Rund 50 Teilnehmer aus kommunalen Verwaltungen, Verbänden, Institutionen sowie Unternehmen kamen zusammen.
Claudia Wesner von der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen erklärte, dass die Fach- und Arbeitskräftesicherung an Brisanz gewonnen hat. Laut Prognosen werden bis 2030 in Hessen etwa 240.000 Fachkräfte fehlen – das sind 40.000 mehr als zuvor angenommen. Die hessische Landesregierung plant daher einen strategischen Maßnahmenmix zur Fachkräftesicherung, der Handlungsfelder wie Bildung, Internationalisierung, Arbeitsmarktpolitik und die Attraktivität Hessens umfasst. Auch regionale Berufsprognosen und ein neues Praxistool zur Aktivierung ungenutzter Potenziale stehen auf der Agenda.
Transformation und Fachkräftesicherung
Die Transformation hat auch direkte Auswirkungen auf die Fach- und Arbeitskräftesicherung im Main-Kinzig-Kreis. Im Rahmen des „Reallabors Main-Kinzig-Kreis“ wurden die Auswirkungen der Veränderungen sichtbar gemacht. Eine Steuerungsgruppe erarbeitete 370 Maßnahmen zur Fach- und Arbeitskräftesicherung, während Dr. Christa Larsen die Zukunftswerkstatt moderierte und die Treiber der Transformation vorstellte. Der demografische Wandel verstärkt den Fachkräftemangel in der Region, während Digitalisierung, Strukturwandel und Migration ihn dämpfen.
Besonders bis 2030 wird ein Mangel an Fachkräften mit Studien- und Berufsabschluss erwartet, vor allem in den Bereichen Pflege und Sozialarbeit. Workshops zu verschiedenen Branchen, darunter Pflege, Erziehung, Einzelhandel, Gastronomie und Produktion, haben den Fachkräftebedarf identifiziert. Es wurde empfohlen, kleine Einrichtungen sowie die Integration ausländischer Fachkräfte zu unterstützen und eine Vernetzung sowie regelmäßigen Austausch in der Region für essenziell zu erachten.
In einem breiteren Kontext wird der Fachkräftemangel auch als globales Problem wahrgenommen, das durch die Digitalisierung verstärkt wird. Wie in einem Bericht von Welt erwähnt, könnte bis 2025 der Anteil menschlicher Arbeit von 71% auf 48% sinken, was die Notwendigkeit einer zügigen Anpassung der Qualifikationen der Arbeitskräfte unterstreicht. Prognosen deuten darauf hin, dass bis zu 75 Millionen Arbeitsplätze weltweit verloren gehen könnten, während gleichzeitig 133 Millionen neue Stellen, vor allem im digitalen und industriellen Bereich, entstehen werden.
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, sich auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt vorzubereiten und die technische Ausbildung zu reformieren, um den Anforderungen der Industrie 4.0 gerecht zu werden. Versäumnisse in der Ausbildung könnten in großen Unternehmen, wie beispielsweise VW und Siemens, zu Hunderttausenden von Arbeitsplatzverlusten führen. Dabei wird gewarnt, dass ohne rechtzeitige Maßnahmen eine Arbeitslosenquote von 15% mit potenziellen sozialen Unruhen droht.