
In Lörrach wurde das Projekt „Neue Balance finden“ ins Leben gerufen, um die Innenstadt zu beleben und die Bedürfnisse der Besucher besser zu verstehen. Dieses Projekt, das im Jahr 2022 gestartet wurde, umfasst eine umfassende Passantenumfrage, die das Verhalten und die Anreisegründe der Besucher erfaßt. Die Umfrage richtet sich an die Innenstadtbesucher und fragt nach ihrer Herkunft, dem Grund ihres Besuchs, sei es zum Einkaufen, Arztbesuch, Teilnahme an Veranstaltungen oder aus Zufall, sowie nach den gewählten Anreisemethoden. Die Abschlussbefragung ist für den 23. und 24. Mai geplant. Händler in der Innenstadt möchten zudem Themen wie Parkmöglichkeiten, Angsträume und Sicherheit in die Diskussion einbringen. Peter Vogl von Pro Lörrach hat bereits nach dem Parkverhalten am Meeraner Markt seit der Einführung der Parkgebühren gefragt.
Die Stadträtinnen Sabine Ehrentreich (Grüne) und Sabine Schumacher (FDP/Piraten) haben ebenfalls Interesse an den Rückmeldungen zu den Toiletten und der Barrierefreiheit geäußert, während Ratskollege Jürgen Exner (CDU) diese Thematik ebenfalls aufwirft. Händler, die mit dem Konzept „Nette Toilette“ arbeiten, berichten von unhöflichem Verhalten mancher Nutzer. Eine Anregung zur Zufriedenheitsbefragung von Bus- und Bahnreisenden kam von Alexandra Thiel (Schüttwerk). Zudem hat Ai Nhi Merstetter von einer Modeboutique betont, wie stark Emotionen und Werbung in sozialen Medien das Kaufverhalten insbesondere jüngerer Menschen beeinflussen.
Erfolge der Stadtentwicklung
Die ersten Ergebnisse der Fortschreibung des Märkte- und Zentrenkonzepts unterstreichen die erfolgreiche Stadtentwicklung in Lörrach. Dieses Konzept hat sich seit 26 Jahren als Grundlage für die Stadtplanung und die Steuerung des Einzelhandels etabliert. Es hat nicht nur zur Sicherung einer lebendigen Innenstadt sondern auch zur Stärkung der Nahversorgung beigetragen. Lörracher Innenstadt bleibt eine attraktive Einkaufsdestination für Kunden sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz. Ein Gutachten zur Fortschreibung wird vom Planungsbüro „Junker + Kruse“ aus Dortmund erstellt, und eine projektbegleitende Arbeitsgruppe besteht aus Vertretern der IHK, des Handelsverbands, lokalen Händlern und weiteren Akteuren.
Trotz der Herausforderungen durch den Onlinehandel und die Corona-Pandemie zeigt die Innenstadt eine erfolgreiche Weiterentwicklung. Städtebauliche Projekte rund um den Bahnhofsplatz sowie in der Turm-, Palm- und Grabenstraße fördern die Attraktivität der Einkaufsstadt. Der Zentralitätswert von 1,48 verdeutlicht die hohe Anziehungskraft auf Kunden von außerhalb und eine überdurchschnittliche Kaufkraftzufuhr. Dies bedeutet, dass Lörrach 48% mehr Umsatz generiert, als lokal durch die eigene Kaufkraft möglich wäre, insbesondere durch die Kunden aus der Schweiz. Die Ergebnisse basieren auf einer gesamtstädtischen Erhebung aller Einzelhandelsbetriebe sowie auf einer Online-Befragung von 87 von 308 Betrieben.
Obwohl es einen Rückgang der Betriebsanzahl und Verkaufsfläche in Lörrach gab, bleibt die Verkaufsflächenausstattung je Einwohner überdurchschnittlich. Dennoch trifft der Rückgang hauptsächlich kleinere Betriebe, mit den Schließungen von zwei Möbelmärkten und einem Gartenmarkt als Hauptursache. Über 80% der Verkaufsfläche in der Innenstadt sind für innerstädtische Leitsortimente vorgesehen, was deren Attraktivität beeinflusst. Zudem verzeichnet die Innenstadt einen Anstieg der Verkaufsflächen durch die Entwicklung des Wohn- und Geschäftshauses LÖ.
Die Oberbürgermeister Jörg Lutz betont die Bedeutung des Märkte- und Zentrenkonzepts für die Entwicklung des Einzelhandels und die bevorstehenden Herausforderungen. Zu den nächsten Schritten gehören die Überprüfung der Abgrenzung der Lörracher Zentren sowie die Entwicklung einer Steuerungsstrategie und einer Sortimentsliste. Die Arbeitsgruppe plant, sich Anfang 2025 zur Abstimmung des Konzeptentwurfs zu treffen, dessen Vorstellung im Gemeinderat voraussichtlich im März erfolgen wird.