
Das deutschlandweite Deutschlandticket, das seit dem 1. Mai 2023 verfügbar ist, sollte einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende leisten. Jedoch zeigt sich, dass das Ticket vor allem in ländlichen Gebieten kaum Akzeptanz findet. Wie tagesschau.de berichtete, fordert Marcel Keidel, Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan, eine deutliche Ausweitung des Regionalverkehrs, um die Attraktivität des Deutschlandtickets zu erhöhen.
In den 34 Gemeinden rund um Kusel pendeln viele Menschen zu ihren Arbeitsplätzen in Kaiserslautern, Ramstein oder Homburg, die alle über 30 Kilometer entfernt liegen. Der Reisezeitunterschied zwischen Auto und Zug ist signifikant: Während man mit dem Auto rund eine halbe Stunde benötigt, dauert die Zugfahrt eine Stunde, und die Busfahrt sogar zweieinhalb Stunden mit häufigen Umstiegen, die die Nutzung unattraktiv machen. Abends sind die Rückfahrmöglichkeiten nach Kusel eingeschränkt, der letzte Zug verlässt die Stadt bereits um halb neun, was die Situation zusätzlich erschwert.
Problematik der Nutzung
Die Nutzung des Deutschlandtickets variiert stark zwischen städtischen und ländlichen Regionen: In Hamburg greifen 40 % der Bewohner auf das Ticket zurück, während in ländlichen Gebieten nur 7 bis 8 % es nutzen. Robert Follmer vom Infas-Institut bewertet das Deutschlandticket trotz der schlechten Anbindungen im ländlichen Raum nicht als Flop, sondern sieht die Möglichkeit einer steigenden Akzeptanz über die Zeit, vorausgesetzt, es werden keine Preiserhöhungen oder Einschränkungen vorgenommen.
Die für Verkehrsfragen zuständigen Ministerien beraten unter dem Vorsitz von Bayern über die Zukunft des Deutschlandtickets. Dabei fordert das bayerische Verkehrsministerium, dass der Bund die Hauptverantwortung für die Finanzierung des Tickets übernimmt. Verkehrsminister Christian Bernreiter betont, dass zur Verbesserung der Infrastruktur große Investitionen notwendig sind, um das volle Potenzial des Tickets auszuschöpfen.
Öffentliche Diskussion und wissenschaftliche Forschung
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. fordert als Teil der öffentlichen Diskussion eine bundesweite Mobilitätsgarantie für Orte mit mehr als 200 Einwohnern. Regelmäßige und verlässliche Verbindungen sind unerlässlich, um Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Ergänzend sind umweltschädliche Subventionen, wie das Dienstwagenprivileg, zugunsten des Deutschlandtickets abzubauen.
Im Rahmen eines Projektes zur Untersuchung des Deutschlandtickets als verkehrspolitisches Instrument wird die Entwicklung des Mobilitätsverhaltens erforscht. Das Projekt, das von der Wissenschaft betrieben wird, startet im Juni 2023 und wird über drei Jahre bis 2026 durchgeführt. Ziel ist es, die Bedingungen zu ermitteln, unter denen das Ticket das Mobilitätsverhalten beeinflusst und die langfristigen Wirkungen zu analysieren, wie dzsf.bund.de beschreibt.