
Die Barmherzigen Brüder Schönfelderhof planen die Eröffnung einer Wohngruppe für Patienten aus der forensischen Psychiatrie in Zemmer. Dies wurde auf einer Informationsveranstaltung bekannt gegeben, die am Dienstagabend in Orenhofen stattfand und an der rund 90 Bürger teilnahmen. Die Wohngruppe soll im August in Zemmer starten und wurde erstmals im Januar 2023 vorgestellt. Bei der ersten Präsentation gab es Kritik von Anwohnern, die Bedenken hinsichtlich möglicher Rückfälle äußerten. Bei der aktuellen Veranstaltung zeigten die Bürger jedoch mehr Verständnis für das Projekt und äußerten keine Zwischenrufe oder negative Reaktionen. Eine Bürgerin berichtete, dass sie ihre anfänglichen Ängste überwunden habe und das Projekt nun positiv sehe.
Vertreter der Klinik Nette-Gut und der Barmherzigen Brüder Schönfelderhof beantworteten während der Veranstaltung Fragen der Bürger. Rainer Klippel von den Barmherzigen Brüdern bezeichnete die Veranstaltung als positiv und stellte fest, dass die Bürger nun besser informiert waren. Auch Ortsbürgermeister Constantin Ney berichtete von einer gestiegenen Zustimmung in der Bevölkerung für die Wohngruppe. In den Monaten vor der Veranstaltung fanden Gespräche zwischen den Barmherzigen Brüdern, Kommunalpolitikern und Bürgern statt. Die Gemeinde Zemmer hatte zudem einen Fragebogen zur Verfügung gestellt, dessen Antworten auf der Internetseite des Trägers veröffentlicht wurden.
Informationen zur Wohngruppe und den Bewohnern
Eine neue Bürgersprechstunde zu dem Projekt wird ab Montag angeboten, eine Voranmeldung ist erforderlich. Die zukünftigen Bewohner der Wohngruppe haben aufgrund psychischer Erkrankungen Straftaten begangen und wurden für unzurechnungsfähig erklärt. Sie sind aktuell in der forensischen Psychiatrie Nette-Gut untergebracht, und der Wechsel nach Zemmer stellt den letzten Schritt in ihrer Therapie dar. Der Maßregelvollzug dient der Behandlung von Menschen, die aufgrund psychischer Erkrankungen straffällig wurden, und soll sie auf ein straffreies Leben vorbereiten. Die Bewohner sollen in der Wohngruppe lernen, sich im Alltag zurechtzufinden, einschließlich Einkäufen in den Ortschaften. Laut Klinik Nette-Gut ist es selten, dass Patienten aus dem Maßregelvollzug erneut Straftaten begehen.
Die Zahl der Patienten in der forensischen Psychiatrie in Deutschland hat in den letzten Jahren zugenommen. Aktuell werden rund 10.000 psychisch kranke Straftäter in Kliniken des Maßregelvollzugs behandelt. Trotz Fortschritten in der Therapie und niedriger Rückfallraten gibt es immer wieder Kritik am psychiatrischen Maßregelvollzug, wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) berichtete. Forensische Psychiatrie behandelt psychisch erkrankte Personen, die schwere Straftaten begangen haben und als nicht oder vermindert schuldfähig gelten.