
In den letzten Jahren ist die Akzeptanz von Investitionen in die Rüstungsindustrie in Deutschland gestiegen. Dies steht im Kontext geänderter gesellschaftlicher Wahrnehmungen, vor allem nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, was zu einem Umdenken im Umgang mit Militär und Verteidigung geführt hat. Laut Tagesschau plant Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Rüstungsindustrie in Baden-Württemberg gezielt zu fördern. Deutschland und Europa investieren mittlerweile Milliarden Euro in die Verteidigung, was sich positiv auf die Aktienkurse von Rüstungsunternehmen auswirkt.
Der Markt zeigt zwei Arten von Anlegern: Auf der einen Seite stehen die Profitorientierten, die gezielt in Rüstungsaktien investieren. Auf der anderen Seite gibt es verantwortungsbewusste Anleger, die gewisse Rüstungsarten, wie Streubomben oder chemische Waffen, meiden. Die Diskussion über die Unterscheidung zwischen Verteidigungs- und Angriffswaffen ist dabei lebhaft. Bernd Villhauer, ein Finanzethiker, betont die moralische Verantwortung von Anlegern in diesem Bereich und mahnt zur Unterscheidung, besonders da die GLS-Bank kategorisch in Rüstungen investiert.
Schwierige Orientierung im Rüstungsmarkt
Die GLS-Bank warnt zudem vor der Aufweichung des Nachhaltigkeitsbegriffs und der Verwirrung unter den Anlegern. Historisch gesehen waren Rüstungsinvestitionen in Deutschland besonders seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verpönt, jedoch hat der Zugang zu Geldanlagen durch digitale Plattformen zugenommen, was auch jüngere Anleger anzieht. Villhauer hebt hervor, dass nachhaltige und profitable Investitionen machbar sind, auch wenn Unklarheit über den Begriff der Nachhaltigkeit in Bezug auf Rüstungsinvestitionen besteht. Allein die EU hat Rüstungsaktien nicht aus Nachhaltigkeits-Portfolios ausgeschlossen.
Die politische Lage beeinflusst stark den Aktienmarkt. Laut WDR benötigt die Ukraine dringend Unterstützung bei der Verteidigung gegen Russland, während US-Präsident Donald Trump die US-Militärhilfen für die Ukraine vorerst gestoppt hat. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte einen milliardenschweren Plan zur Aufrüstung Europas vor, und es gibt politische Einigungen, die eine Lockerung der Schuldenbremse für neue Verteidigungsausgaben vorsehen. Analyst Jochen Stanzl von „CMC Markets“ zeigt sich zuversichtlich, dass Rüstungsunternehmen auch in den kommenden Jahren ausreichend Aufträge erhalten werden.
Wachstum im Rüstungssektor ist deutlich sichtbar, sowohl in den Kursen der Aktien als auch im allgemeinen Interesse der Anleger. Die Aktie der Rheinmetall AG, einem der bedeutendsten Rüstungsunternehmen Deutschlands, stieg von 425 Euro auf 1.150 Euro. Investoren, insbesondere Einsteiger, haben somit einen erheblichen Kurssprung verpasst.