Bautzen

Gedenkveranstaltung: 75 Jahre nach dem Aufstand im „Gelben Elend“

Bautzen erinnert an einen der bedeutendsten Aufstände in der Geschichte der DDR. Vor 75 Jahren, im Jahr 1950, erhoben sich die Häftlinge der Haftanstalt Bautzen I, auch bekannt als „Gelbes Elend“, gegen die unmenschlichen Haftbedingungen. Anlässlich dieses Jahrestages findet am 30. Januar eine Gedenkveranstaltung an der Gräberstätte auf dem Karnickelberg statt. Ein Teilnehmer des damaligen Aufstands wird diese Veranstaltung besuchen.

Die Insassen protestierten vor allem gegen die katastrophale Situation, die von Kälte und Tuberkulose geprägt war. Nahezu alle Häftlinge traten in einen Hungerstreik, um auf die Bedingungen aufmerksam zu machen. Etwa 6.000 Menschen waren zu diesem Zeitpunkt in Bautzen inhaftiert, viele von ihnen ohne rechtskräftige Urteile und nur auf Grundlage von Schnellgerichten der sowjetischen Besatzungsmacht verurteilt. Der Aufstand gilt als die erste große Gefangenenrevolte in der Geschichte der DDR.

Hintergrund der Häftlingsaufstände

Wie [radiolausitz.de](https://www.radiolausitz.de/beitrag/aufstand-im-gelben-elend-jaehrt-sich-zum-75-mal-861674/) berichtete, fanden in der Haftanstalt Bautzen I im März 1950 insgesamt zwei Häftlingsaufstände statt. Der erste Aufstand begann am 13. März, als fast alle Häftlinge in den Hungerstreik traten. Am 31. März kam es zu einem weiteren Aufstand, der von der Deutschen Volkspolizei brutal niedergeschlagen wurde. Dabei wurden viele Häftlinge schwer verletzt und mit Gewalt aus dem Gefängnis gestoßen.

Die Haftanstalt Bautzen I war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil des sowjetischen Gulag-Systems und war ursprünglich als „Speziallager Nr. 4“ eingerichtet worden. Hier wurden nicht nur NS- und Kriegsverbrecher, sondern auch politische Gegner inhaftiert. Die Haftbedingungen waren katastrophal: In einem Haftsaal mit einer Größe von 33 x 12 Metern waren 350 bis 400 Häftlinge untergebracht. Zwischen 1945 und 1950 starben über 3.000 Menschen in der Anstalt.

Die Vorfälle im „Gelben Elend“ wurden international bekannt und avancierten zu einem Symbol für politische Verfolgung in der DDR. Nach den Aufständen wurden zwar neue Strafvollzugsbestimmungen eingeführt, die jedoch nur teilweise für Verbesserungen sorgten. Viele Häftlinge wurden erst 1956 entlassen, während einige flüchteten und in die Bundesrepublik Deutschland überstellt wurden. Trotz der Gründung des Bautzen-Komitees zur Aufarbeitung der Verbrechen und der Dokumentation der Geschichte durch die Gedenkstätte Bautzen wurde lange Zeit nicht mehr über das „Gelbe Elend“ gesprochen, wie [Wikipedia](https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%A4ftlingsaufst%C3%A4nde_in_Bautzen_I_1950) zusammenfasst.