
Der schwedische Batteriehersteller Northvolt hat Insolvenz beantragt, was besorgniserregende Auswirkungen auf den Bau einer neuen Fabrik in Heide, Schleswig-Holstein, haben könnte. Insgesamt flossen 600 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln, die für den Bau der Anlage vorgesehen waren, wobei Bund und Land jeweils zur Hälfte für diese Summe bürgten. Diese Mittel wurden in Form einer Wandelanleihe durch die KfW bereitgestellt.
Das Unternehmen sieht sich mit enormen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert, mit Schulden von fast sechs Milliarden Euro. In diesem Kontext gab der CEO Peter Carlsson Mitte November seinen Rücktritt bekannt und Northvolt suchte Unterstützung im Rahmen eines „Chapter-11-Verfahrens“ in den USA zur Sanierung und Restrukturierung. Trotz aktueller Aktivitäten auf der Baustelle bleibt unklar, ob die Fabrik tatsächlich gebaut werden kann.
Vertrauliche Unterlagen und Forderungen
Über 21.000 Seiten Akten rund um Northvolt sind als „Verschlusssache vertraulich“ eingestuft, die nur von bestimmten Abgeordneten unter strengen Auflagen eingesehen werden dürfen. Diese Unterlagen enthalten unter anderem Gesprächsprotokolle mit der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium erstellt hat und selbst zu den Gläubigern von Northvolt gehört. PwC fordert eine Zahlung von fast einer Million US-Dollar für seine Leistungen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat bestätigt, dass PwC für Northvolt tätig war, jedoch keine Interessenskonflikte vorliegen sollen. Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hat die Forderung nach mehr Transparenz bekräftigt und plant, Kabinettsvorlagen mit Schwärzungen öffentlich zu machen. Er bezeichnete den Umgang mit den vertraulichen Akten als „Tanz auf einer Klinge“ und bereitet sich auf ein Treffen mit Insolvenzverwalter Mikael Kubu vor, um Klarheit über die Zukunft der Fabrik in Heide zu schaffen.
Die Opposition, vertreten durch die SPD und FDP, fordert ebenfalls mehr Transparenz und eine Lockerung der Einstufungen der Akten. Experten warnen jedoch vor möglichen Konsequenzen der Insolvenz für die Finanzierung des Fabrikbaus in Heide. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sieht nach wie vor eine Zukunft für den Standort, während die Opposition skeptisch bleibt.
Darüber hinaus ist Volkswagen der größte Anteilseigner von Northvolt mit etwa 20% der Anteile. Der Wert dieser Beteiligung ist von über 900 Millionen Euro (2022) auf 693 Millionen Euro (2023) gefallen. Goldman Sachs hat angekündigt, seine Beteiligung an Northvolt bis Ende des Jahres auf null abzuschreiben.
Der Bund plant, der KfW 620 Millionen Euro zu erstatten, was auch 20 Millionen Euro Kreditnebenkosten umfasst. Schleswig-Holstein steht vor der Herausforderung, 300 Millionen Euro an den Bund zu zahlen, was die Schulden des Landes weiter erhöhen wird. Trotz der Schwierigkeiten versicherte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass die Probleme von Northvolt lösbar seien und das Unternehmen weiterhin von Interesse bleibe. Er betonte zudem die Notwendigkeit strategischer Souveränität in der Batterieproduktion in Europa.