
Eine aktuelle Untersuchung von George Musgrave von der Goldsmiths University of London und Dorian Lamis von der Emory University zeigt auf, dass Musikerinnen und Musiker berufsbedingt besonders suizidgefährdet sind. In einer Erhebung zwischen 2011 und 2015 stellte das Office for National Statistics in England fest, dass „Musiker, Schauspieler und Entertainer“ zu den fünf Berufsgruppen mit der höchsten Selbstmordrate gehören. Die Studien belegen zudem, dass das Suizidrisiko in der Berufsgruppe „Kultur, Medien und Sport“ um 20% über dem Bevölkerungsdurchschnitt liegt, bei Frauen sogar um 69% höher.
Für die gesamte US-Bevölkerung lag die Suizidrate im Jahr 2022 bei 14,2 pro 100.000 Einwohner. Bei männlichen Musikern beträgt diese Rate jedoch alarmierende 138,7 pro 100.000 Einwohner, was den dritthöchsten Wert aller Berufsgruppen darstellt. Höhere Raten wurden nur bei Holzfällern (161,1) und Agrar- und Lebensmittelwissenschaftlern (173,1) festgestellt. Studien zeigen, dass in den Jahren 2012, 2015 und 2021 Frauen aus der Gruppe „Kunst, Design, Unterhaltung, Sport und Medien“ die höchste Suizidsterblichkeitsrate aufwiesen. Dieser Trend wird nicht nur im anglo-amerikanischen Raum, sondern auch in Südkorea beobachtet, wo es ebenfalls auffällige Todesfälle unter K-Pop-Künstlern gibt.
Der Club 27 und seine Mitglieder
Eine weitere Betrachtung des Phänomens beleuchtet den sogenannten „Club 27“, der Musiker umfasst, die im Alter von 27 Jahren verstorben sind. Bekannte Mitglieder sind unter anderem Jimi Hendrix, Janis Joplin, Kurt Cobain, und Amy Winehouse. Jimi Hendrix, der am 18. September 1970 an einer Überdosis von Schlaftabletten und Alkohol verstarb, wird häufig als einer der ersten Mitglieder dieses Mythos angesehen. Während seiner Karriere kämpfte Hendrix mit Drogenkonsum, Angststörungen und Depressionen. Nach seinem Todgewann die Idee des “Club 27” zunehmend an Popularität, insbesondere durch ein Interview von Kurt Cobains Mutter im Jahr 1994.
Obwohl Medien und Internetforen spekulierten, welche Gründe hinter der Vielzahl der Todesfälle im Alter von 27 Jahren stecken, wird der Mythos des „Club 27“ als nicht haltbar angesehen. Studien, wie die der Universität Queensland von 2011, fanden keine signifikante Häufung von Todesfällen bei 27-jährigen Musikern. Vielmehr bestätigt eine Studie der John Moores University in Liverpool, dass die Sterbewahrscheinlichkeit von Musikern in den ersten fünf Jahren nach dem Durchbruch hoch ist. Der Mythos hat sich zu einer Art selbsterfüllender Prophezeiung entwickelt, die Musiker beeinflusst, während psychologische Faktoren wie selektive Wahrnehmung die Popularität des Mythos unterstützen.
Die Forscher fordern daher gezielte Hilfe für die suizidgefährdete Gruppe der Musiker, um ihre psychische Gesundheit zu stärken und präventive Maßnahmen zu ergreifen, gegen die alarmierende Suizidrate in dieser Branche.
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