
Eine Anwohnerin aus Meran hat mit einem Leserbrief auf die hohen Preise in einem Restaurant in Pfelders aufmerksam gemacht. Sie berichtete, dass sie für zwei Speckknödel, einen Knödel mit Gulasch und einen Liter Mineralwasser insgesamt 58 Euro bezahlt hat. Diese Preispolitik, so befürchtet sie, könnte viele Urlauber davon abhalten, in Südtirol ihren Aufenthalt zu planen. Im Vergleich dazu nannte sie ein Preisangebot in Tirol, wo ein Dreigangmenü nur 28 Euro kostet.
Der Leserbrief hat auf Facebook eine lebhafte Diskussion ausgelöst, die mit 68 Kommentaren sowohl Zustimmung als auch Widerspruch hervorrief. Mehrere Nutzer berichteten über ähnliche Erfahrungen in der Gastronomie und kritisierten die hohen Preise sowie die verminderte Qualität der Speisen. Heidi Hofer, eine Hüttenwirtin aus Pfelders, widersprach der Anwohnerin und erklärte, dass ihre eigenen Preise deutlich günstiger seien, beispielsweise 12 Euro für einen Teller Nudeln oder zwei Knödel. Ihr Verdacht ist, dass es im genannten Restaurant einen Fehler bei der Preisberechnung gegeben haben könnte. Hofer äußerte außerdem, dass der Leserbrief negative Auswirkungen auf das kleine Familienskigebiet haben könnte, welches ohnehin um das Überleben kämpft. Aktuell wurden zudem in Bozen die Preise für Cappuccino erhöht.
Hohe Lebenshaltungskosten in Südtirol
Die hohen Lebenshaltungskosten in Südtirol belasten die gesamte Bevölkerung, wie eine Analyse auf SüdtirolNews zeigt. Mehrere Ursachen führen zu den hohen Preisen in der Region. Dazu zählen ein überhitzter Immobilienmarkt, ein hoher Lebensstandard, eine hohe Gästepräsenz sowie überzogene Qualitätsstandards. Auch der üppige Landeshaushalt, der zusätzliche Nachfrage schafft, trägt zu dem Problem bei. Ineffiziente Verteilungsstrukturen mit zahlreichen Zwischenhändlern und beherrschende Marktpositionen spielen ebenfalls eine Rolle, ebenso wie die Vollbeschäftigung und die daraus resultierenden hohen Personalkosten.
Trotz der steigenden Lebenshaltungskosten wachsen die Löhne nicht im gleichen Maße. Gründe hierfür sind unter anderem die schwache Entwicklung von Gebiet- und Betriebsabkommen sowie die zu starke Orientierung an nationalen Kollektivverträgen. Zudem gibt es eine allgemeine Wahrnehmung, dass die Landespolitik wenig arbeitnehmerfreundlich ist und es an Wissen sowie Kompetenz bei den Entscheidungsträgern fehlt. Die AFI plant deshalb weitere Untersuchungen zur Ursachenanalyse der hohen Lebenshaltungskosten und der Lohndynamik bis 2025. Der Direktor der AFI, Stefan Perini, hob die Notwendigkeit von Arbeitnehmereinschätzungen und statistischen Analysen hervor. Das AFI-Barometer, das viermal jährlich erscheint, basiert auf einer Umfrage unter 500 Arbeitnehmer:innen in Südtirol und ist repräsentativ für die Region.