
In der kleinen Siedlung Gunzesried-Säge, die im Oberallgäu weniger als 100 Einwohner zählt, plant das Landratsamt Oberallgäu die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft. Hierfür wurde im März der Heubethof, eine ehemalige Unterkunft für Gruppenreisen, angemietet. Die geplante Unterbringung soll bis zu 45 Geflüchtete aufnehmen.
Der Standort stößt auf massive Proteste der Anwohner. Hauptsächlich kritisiert werden die abgelegene Lage und die mangelnde Infrastruktur. Das nächste Dorf, Gunzesried, befindet sich fast 4 Kilometer entfernt und bietet keine medizinische Versorgung, keine Schule und keinen Kindergarten. Supermärkte und andere wichtige Einrichtungen sind mehr als 8 Kilometer in Blaichach entfernt. Um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen, haben die Bürger von Gunzesried-Säge fast 700 Unterschriften gegen die Unterkunft gesammelt, wobei über 400 Unterschriften gezählt wurden, wie die Allgäuer Zeitung berichtete.
Politische Reaktionen und Bürgerengagement
Der Blaichacher Gemeinderat hat ein Bürgerbegehren aus formalen Gründen abgelehnt, schloss sich jedoch einstimmig der Petition an, die die Fragen zur Eignung des Standorts klärt. Landratsamt und Landrätin Indra Baier-Müller halten die Unterkunft trotz rückläufiger Asylbewerberzahlen für notwendig. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass viele Asylbewerber zuvor Monate in Zelten warten mussten. Das Ziel ist es, teure Notunterkünfte aufzulösen und eine stabilere Unterbringung zu gewährleisten.
In der geplanten Unterkunft werden prioritär mobilere Personen oder solche mit Arbeitsstelle untergebracht, wobei darauf geachtet wird, dass mindestens eine Familie ein eigenes Fahrzeug hat. Der Blaichacher Gemeinderat stimmte einer befristeten Nutzung für fünf Jahre zu. Aktuell befinden sich 42 Geflüchtete in der Gemeinde Blaichach.
Ein Dialog zwischen den Bürgern und den Verantwortlichen wird von Landrätin Indra Baier-Müller als wünschenswert erachtet. Der Ausschuss für Eingaben und Beschwerden im Bayerischen Landtag wird sich mit der eingereichten Petition befassen, und Landtagsabgeordneter Joachim Konrad (CSU) unterstützt die Bedenken der Bürger. Die nächste Ausschusssitzung findet nach Ostern statt; bis dahin wird die Unterkunft nicht belegt.