
In der Zeit der Corona-Pandemie wurde eine ungewöhnliche Maßnahme zur Überwachung der Einhaltung von Corona-Regeln in der Region Bodensee-Oberschwaben ergriffen. Die Polizei Ravensburg setzte einen Zeppelin ein, um von der Luft aus die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren. Der Zeppelin NT, welcher von der Deutschen Zeppelin Reederei zur Verfügung gestellt wurde, flog vom Karfreitag bis Ostermontag 2020 über das Bodensee-Ufer und Oberschwaben.
Sechs Polizisten und zwei Piloten flogen während dieses Zeitraums insgesamt sechsmal in etwa 300 Metern Höhe. Diese Flüge dauerten jeweils vier Stunden und deckten eine Fläche von 3500 Quadratkilometern ab, die das Gebiet des Polizeipräsidiums Ravensburg-Bodenseekreis sowie die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen umfasste. Laut einem Polizeisprecher werden Verstöße gegen die Corona-Verordnung ernst genommen. Das Ziel der Überwachung war es, Gruppen zu identifizieren, die sich unerlaubt trafen, ohne in die Privatsphäre der Bürger einzudringen.
Öffentliche Reaktionen und Verteidigung der Maßnahme
Die Aktion, die öffentlich angekündigt wurde und in Deutschland einzigartig war, stieß jedoch auf unterschiedliche Reaktionen. Kritiker warfen der Polizei vor, einen Überwachungsstaat zu etablieren. Polizeipräsident Uwe Stürmer verteidigte das Vorgehen und hob hervor, dass unkonventionelle Maßnahmen nicht immer beliebt seien. Anstelle eines lauteren Hubschraubers wählte die Polizei den Zeppelin wegen seiner leisen und umweltfreundlichen Eigenschaften. Stürmer wies darauf hin, dass die Beamten, die an den Flügen teilnahmen, erfahren waren und sich zuvor engagiert hatten.
Die Polizei legte Wert darauf, dass während der Flüge die Corona-Vorgaben strikt eingehalten wurden. Insgesamt wurden nur wenige Verstöße festgestellt, und am Karfreitag wurden etwa zehn Platzverweise ausgesprochen. Stürmer betonte, dass die Mehrheit der Bürger sich an die Regeln halte, und sah in der Aktion eine kreative Lösung ohne Schaden für die Bürger, wie auch die Schwäbische Zeitung berichtete.
Die Überwachung durch den Zeppelin zog jedoch weiterhin die Diskussion über den Umgang mit Corona-Verstößen nach sich. Die Polizei bleibt dabei, dass sie die durchgeführten Kontrollen aus der Luft für effektiver hält, da die Beamten Menschengruppen besser erkennen können als vom Boden aus, wie auch die Süddeutsche Zeitung berichtete.